Hohe Mieten : CDU-Fraktionschef hilft Wohnungslosem bei der Wohnungssuche

Thomas Ruckwärts fand trotz Jobs lange keine bezahlbare Wohnung – jetzt hat ihm CDU-Fraktionschef Burkhard Dregger eine vermittelt.

Thomas Ruckwärts (re.) lebte monatelang in einer Wohnungslosenunterkunft. Dregger besuchte ihn in seiner neuen Wohnung in Spandau.
Thomas Ruckwärts (re.) lebte monatelang in einer Wohnungslosenunterkunft. Dregger besuchte ihn in seiner neuen Wohnung in Spandau.Foto: Thilo Rückeis

Da drüben, wo jetzt noch die dunkelblaue Luftmatratze liegt, da kommt das Schlafsofa hin. Und hier, an diese Wand mit den drei Steckdosen, hier stehen dann der Plattenspieler und der Fernseher. Und natürlich die 400 CDs und 300 Vinyl-Schallplatten, mit Kostbarkeiten wie Originalpressungen von Depeche Mode und uralten Scheiben der Rolling Stones. „Mein Heiligtum“, sagt Thomas Ruckwärts.

Er hat alles schon geplant, in seiner Fantasie ist die Ein-Zimmerwohnung in Spandau, die mit Ausnahme der Luftmatratze komplett leer ist, komplett eingerichtet. In der Küche ragen nur Wasserhähne aus der Wand, aber Ruckwärts geht in die Knie und zeichnet auf dem Boden, wo er Herd und Spüle platzieren wird. An diesem Wochenende wird er die ersten Möbel in den siebten Stock des Hauses in Spandau wuchten, in die Wohnung, an der schon sein Name neben der Klingel steht. Ab Sonntag wird er nur noch hier schlafen.

Dann endlich lautet seine Postadresse nicht mehr: Wohnungslosenunterkunft Lübecker Straße 6, 10559 Berlin. Dann teilt er sein Zimmer nicht mehr mit zwei anderen Menschen, dann muss er nicht mehr den Lärm seines Zimmernachbarn ertragen, dann beklaut ihn keiner mehr. Dann endlich fühlt sich Thomas Ruckwärts, 52 Jahre alt, gelernter Verkäufer, wieder glücklich.

Aber bis dahin symbolisiert er das Problem, das Hunderte von Menschen in der Hauptstadt mit ihren explodierenden Mieten belastet. Thomas Ruckwärts hat einen sozialversicherungspflichtigen Job, er räumt Regale in Supermärkten ein, acht Stunden am Tag, Nettoverdienst zwischen 800 und 1000 Euro. Aber jahrelang fand er keine bezahlbare Wohnung. Also landete er am Ende in der Wohnungslosenunterkunft, dem letzten Netz vor dem Aufprall auf die Straße und dem Status „obdachlos“.

Von der Notübernachtung zur Wohnungslosenunterkunft

Burkard Dregger, der CDU-Fraktionsvorsitzende im Abgeordnetenhaus, hat entscheidenden Anteil daran, dass Ruckwärts glücklich in einer leeren Wohnung mit kleinem Balkon steht und die frisch gestrichenen Wände betrachtet. „Super hergerichtet“, sagt Ruckwärts. Dregger steht neben ihm, er hat dem 52-Jährigen die Wohnung vermittelt. Ohne ihn würde Ruckwärts immer noch in der Lübecker Straße wohnen. Dregger sagt: „Es kann nicht sein, dass jemand, der arbeitet, sich in Berlin keine Wohnung leisten kann. Das kann ich nicht ertragen.“

Er hatte Ruckwärts am 1. Mai kennen gelernt, die Christliche Demokratische Arbeitnehmerschaft (CDA), der sozialpolitische Flügel der CDU, hatte bei der 1.-Mai-Kundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbunds einen Stand. André Erdmann machte Ruckwärts mit Dregger bekannt. Erdmann ist nicht bloß stellvertretender CDA-Vorsitzender in Berlin, er ist auch seit 25 Jahren Ruckwärts’ Freund. Also schilderte der Supermarkt-Mitarbeiter dem CDU-Politiker seine Geschichte: jahrzehntelang bei Karstadt, gescheiterte Ehe, Wohnung für ihn allein bald zu teuer, keinen Untermieter gefunden, 2016 zur Schwester gezogen, vergebliche Suche nach einer eigenen Unterkunft, Dezember 2018 Kündigung der Wohnung der Schwester wegen Eigenbedarfs. Die Schwester übernahm die Wohnung ihrer besten Freundin, Thomas Ruckwärts aber landete erstmal drei Tage in der Notübernachtung Franklinstraße. Dann, vermittelt durchs Sozialamt, Ende Februar die Lübecker Straße 6. Für das Dreibett-Zimmer berechnete man ihm rund 300 Euro Miete. Seine Möbel lagerte er ein, Monatsmiete: 68 Euro.

Dregger unterstützt bei der Wohnungssuche

In Dreggers Wahlkreis liegt die Residenzstraße in Reinickendorf, raues Gebiet. „Da habe ich viele harte Schicksale erlebt“, sagt er. Der CDU-Politiker rief im Mai zwei Wohnungsbaugesellschaften an. Eine davon, sagt Dregger, die Vonovia, habe eine „wohlwollende Prüfung“ zugesagt. Am vergangenen Sonntag erfuhr Dregger: Ruckwärts kann in eine Ein-Zimmerwohnung in Spandau einziehen, Miete 480 Euro warm. Den größten Teil davon bezahlt das Jobcenter. Am Montag konnte Ruckwärts schon seine Matratze ausbreiten, und am Freitag wurde die Schlüsselübergabe offiziell zelebriert. Mit Dregger, Erdmann, einer Vonovia-Mitarbeiterin, der CDA-Landesvorsitzenden Claudia Skrobek und einem Geschenkkorb. Ruckwärts schläft aber am Samstag noch in der Lübecker Straße, weil dort noch seine Sachen sind.

Aber jetzt steht er in seiner neuen Wohnung und blickt aus dem Fenster zu den Hochhäusern in der Umgebung. Er ist in Spandau aufgewachsen, er hat hier viele Jahre gelebt. Für wenige Sekunden wirkt Thomas Ruckwärts, als wäre er ganz für sich und würde die Menschen neben sich nicht wahrnehmen. Es ist der Moment, in dem er sagt: „Ich komme mir vor wie ein Kriegsgefangener, der in seine Heimat zurückkehren darf.“

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