Nach Verdi-Einigung : Wie ist der Stand im Tarifkonflikt der BVG?

Der Tarifstreit im öffentlichen Dienst ist beigelegt, doch bei den Berliner Verkehrsbetrieben ist die Lage anders. Die Verhandlungen gehen am Dienstag weiter.

Arbeitnehmer der BVG und ihrer Tochtergesellschaft Berlin Transport fordern unter anderem eine 36,5-Stunden-Woche.
Arbeitnehmer der BVG und ihrer Tochtergesellschaft Berlin Transport fordern unter anderem eine 36,5-Stunden-Woche.Foto: Christoph Soeder/dpa

Der Verdi-Tarifstreit ist beigelegt, eine Lösung ist gefunden. Erzieher, Lehrer und Behördenmitarbeiter haben nach der Potsdamer Tarifvereinbarung vorerst keinen Anlass mehr für weitere Streiks.

Anders ist die Lage bei bei der BVG: Der Tarifkonflikt bei den Berliner Verkehrsbetrieben ist bisher nicht gelöst. Am kommenden Dienstag steht die dritte Verhandlungsrunde zwischen Verdi und dem Landesunternehmen an. „Das ist eine schwierige Tarifverhandlung“, sagte Verdi-Sprecher Andreas Splanemann am Sonntag. Immerhin sei eine Sondierungsrunde am vergangenen Mittwoch „konstruktiv“ verlaufen. Über die Details habe man Stillschweigen vereinbart.

Ob am Dienstag der Durchbruch gelingt, könne man erst am Abend sagen, wenn die Tarifkommission die Verhandlung nachbereitet habe. Der Verlauf wird laut Splanemann auch davon abhängen, „ob die Arbeitgeber tatsächlich ein Angebot vorlegen“.

Sollte das Angebot für völlig unzureichend befunden werden, wäre wohl ein weiterer Warnstreik bei der BVG fällig. Beim ersten Ausstand waren am 15. Februar von der Nacht bis zum Mittag fast alle Berliner Linienbusse sowie sämtliche Straßen- und U-Bahnen in den Depots geblieben.

Weiterer BVG-Warnstreik?

Nur einige von privaten Unternehmen im Auftrag der BVG betriebene Kiezbuslinien fuhren planmäßig, außerdem wurde ein Notverkehr zum nur per Bus erreichbaren Flughafen Tegel organisiert.

Die Beschäftigten der BVG und von deren Tochterunternehmen Berlin-Transport beklagen, sie seien im bundesweiten Vergleich mittlerweile am schlechtesten bezahlt. Viele empfinden das als doppelt ungerecht, weil zum einen die Lebenshaltungskosten vor allem wegen der massiv steigenden Mieten in Berlin stärker wachsen als in anderen Regionen.

Zum anderen beklagen sie stark gewachsenen Stress, weil die Busse und Bahnen immer voller werden und vor allem die U-Bahn-Züge wegen ihres hohen Durchschnittsalters immer störanfälliger.

Laut einer Rechnung, die ein Gewerkschafter beim Warnstreik im Februar aufmachte, hat ein bis 2005 eingestellter „Altbeschäftigter“ der BVG über die vergangenen 13 Jahre insgesamt 62,5 Tage weniger gearbeitet und 156.000 Euro mehr verdient als jemand, der danach eingestellt wurde. „Deshalb kriegen wir ja keine Leute mehr.“

Die Berliner S-Bahn als Tochterunternehmen der Deutschen Bahn ist von dem Tarifkonflikt nicht betroffen. Ihre Triebfahrzeugführer gehören überwiegend den Branchengewerkschaften GdL und EVG an.

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