Weltmeisterschaft in Russland : Mit Clueso, Fanta 4 und Sir Rosevelt zur Fußball-WM

Clueso und die Fantastischen Vier für die ARD, Sir Rosevelt für das ZDF: Die Sender stellen ihre WM-Songs vor – ein Hörvergleich.

Und jetzt alle! Die ARD setzt auf den Song „Zusammen“ von den Fantastischen Vier featuring Clueso (vorne im Bild).
Und jetzt alle! Die ARD setzt auf den Song „Zusammen“ von den Fantastischen Vier featuring Clueso (vorne im Bild).Screenshot: Tsp

Was singt er da? „Wir sind zusammen alt?“ Wieso das denn? Stimmt doch gar nicht: Clueso ist 38 und die Fantastischen Vier, mit denen er den Song „Zusammen“ aufgenommen hat, 49 bis 50. Seltsam, seltsam. Das Rätsel löst sich, wenn man genauer hinhört und sich das Video anschaut, in dem Clueso bei der Zeile den Zeigefinger reckt.

Ah! Er singt „eins“, nicht „alt“. Das ergibt auch gleich viel mehr Sinn: „Wir sind zusammen groß/Wir sind zusammen eins/Komm lass ’n bisschen noch zusammenbleib’n/Nehmt die Flossen hoch, und die Tassen auch/Wir feiern heute bis zum Morgengrau’n“, lautet der Refrain – leicht mitsingbar, mit hohem Ohrwurmfaktor.

Ein Song mit Hitpotenzial

Die Single vom aktuellen „Captain Fantastic“-Album der Fantastischen Vier hat Hitpotenzial, und es ist sehr wahrscheinlich, dass das Stück in diesem Sommer von seinem aktuellen 17. Chartsplatz in die Top 5 aufsteigen wird.

Denn die Stuttgarter Hip-Hop-Veteranen und ihr Erfurter Gastsänger haben Unterstützung von der ARD bekommen, die „Zusammen“ zu ihrem offiziellen Song zur Fußball-WM erklärt hat.

Er wird also bei den Übertragungen der Spiele zu hören sein und sich so in den Köpfen von Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern festsetzen. Dass der DFB das Lied ebenfalls zu seinem offiziellen Song erkoren hat, dürfte ihm noch einen weiteren Schub verleihen.

Und das ZDF? Hat dem nichts Ebenbürtiges entgegenzusetzen. Der offizielle Song „The Bravest“ vom US-amerikanischen Trio Sir Rosevelt ist ein solides Stück zeitgenössischer Popmusik, das mit Trap-Einflüssen spielt und ohne groß zu stören in mittlerem Tempo durchdudelt.

Wahrscheinlich haben sich die Verantwortlichen wegen des Textes für das Lied entschieden. Er handelt von Ruhm und Siegern: „You could be the bravest/You could be the greatest/Set the world on fire/Burn a little higher“, singt Zac Brown, der sonst einer Countryband vorsteht.

Sein in f-Moll stehendes Stück hebt jedoch nie richtig ab, für eine Hymne ist es viel zu gleichförmig. Da helfen auch diverse Mitklatschanreize und „Oh-ho-hos“ nichts, die ja unerlässlich für dieses Genre sind. Auch die Fantastischen Vier setzen ein gedehntes „Ohhhho“ vor den Refrain.

Der Vorsprung wird größer

Im öffentlich-rechtlichen Direktvergleich baut die ARD damit ihren Vorsprung gegenüber dem ZDF beträchtlich aus. In Führung gegangen war der Senderverbund vor vier Jahren, als die Mainzer die WM-Partie in Brasilien haushoch verloren.

An den ZDF-Song „Love Runs Out“ von OneRepublic dürften sich heute nur noch eingeschworene Fans des Quintetts erinnern. Der ARDSong „Auf uns“ hingegen war der Überhit des WM-Sommers 2014.

Das Lied von Andreas Bourani lief nicht nur bei den Übertragungen rauf und runter. Es wurde sogar nach dem deutschen Finalsieg gegen Argentinien im Maracanã-Stadion von Rio abgespielt und der Berliner Sänger durfte damit beim Empfang der Nationalmannschaft am Brandenburger Tor auftreten. Helene Fischer war mit „Atemlos durch die Nacht“ natürlich ebenfalls dabei. Von OneRepublic keine Spur.

Ob sich ein Song während eines Turniers zum Hit entwickelt, ist auch ein bisschen Glückssache – und hat oft gar nichts mit den offiziellen Sender- und Verbandsliedern zu tun. So bekam etwa 2006 während der Weltmeisterschaft in Deutschland Xavier Naidoos „Dieser Weg“ einen immensen Popularitätsschub, weil Nationalspieler Gerald Asamoah – von Jürgen Klinsmann zum Team-DJ erkoren – das Stück zur Motivation seiner Mannschaft ausgewählt hatte. Herbert Grönemeyers offizieller WM-Song „Zeit, dass sich was dreht“ konnte da nicht ganz mithalten.

Inzwischen beteiligen sich die deutschen Spieler kaum noch an der musikalischen Untermalung großer Turniere. Vor der Heim-WM von 1974 hatte die Mannschaft noch ihr eigenes Lied eingesungen. In weißen Trikots kamen Franz Beckenbauer und Co. damals ins Studio, um das von Schlagerproduzent Jack White geschriebene „Fußball ist unser Leben“ einzusingen – ein schlimmes Bierzelt-Humptata-Lied.

Auch 1982 („Olé España“) und 1986 („Mexico mi amor“) musste das Team ins Schlagerstadel. Richtig peinlich wurde es dann 1990 mit „Wir sind schon auf dem Brenner“, das zusammen mit Udo Jürgens entstand. Trotz Titelgewinns war es danach vorbei mit den kickenden Chorknaben. Jetzt lässt der DFB lieber singen und rappen – vielleicht besser so.

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