D-Day-Gedenken : Emmanuel Macron belehrt Donald Trump

Frankreich und die USA feiern zum D-Day-Gedenken ihre Partnerschaft. Doch Emmanuel Macron erinnert Donald Trump auch an eine besondere Verantwortung.

Auf Distanz. Das Verhältnis zwischen Trump (l.) und Macron ist abgekühlt.
Auf Distanz. Das Verhältnis zwischen Trump (l.) und Macron ist abgekühlt.Foto: Carlos Barria/Reuters

Nach dem Glamour in England folgte für den US-Präsidenten die Pflichtübung in Frankreich. Mit der Queen hatte Donald Trump festlich getafelt, von Frankreichs Präsidenten Emmanuel Macron musste er sich am Donnerstag auch kritische Worte anhören. "Amerika, Präsident Trump, ist besonders groß, wenn es für die Freiheit der anderen eintritt", sagte Macron. Man dürfe nie vergessen, dass "freie Völker, wenn sie sich vereinen, alle Herausforderungen meistern können".

"Die Amerikaner umarmen das französische Volk"

Anlass des Zusammentreffens von Macron und Trump waren die Feierlichkeiten zum D-Day, die Erinnerung an die Landung der Alliierten in der Normandie im Zweiten Weltkrieg. Am 6. Juni 1944 waren 132.700 Soldaten in der Normandie gelandet, um Frankreich von den deutschen Nationalsozialisten zu befreien. Doch schon vor dem Festakt war von US-Seite verlautet worden: Lange bliebe Trump nicht in Frankreich.

Im nordfranzösischen Colleville-sur Mer hielt Trump unter strahlend blauem Himmel eine Hommage-Rede für die amerikanischen Soldaten und erklärte: „Wir versprechen, dass unsere Nation immer stark und geeint sein wird. Unser Volk wird immer mutig sein.“ Und zu den französisch-amerikanischen Beziehungen sagte er: „Die Amerikaner umarmen das französische Volk. Unsere Beziehungen werden nie zerbrechen.“

Der erste Handschlag von Trump mit seinem französischen Amtskollegen wirkte aber längst nicht mehr so herzlich wie noch vor einem Jahr, als Trump beim Staatsbesuch Macrons in Washington erklärt hatte: "Er wird ein großer Präsident für Frankreich."

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Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Landung der Alliierten
Gedenkfeier zum 75. Jahrestag der Landung der Alliierten

Am Donnerstag hatte Macron vor Trump in seiner Rede gesagt, Frankreich wolle die Freundschaft der beiden Nationen leben lassen. Gleichzeitig hatte er aber zum Schlag gegen die nationalistische Politik Trumps ausgeholt und diesen belehrt: "Wir müssen den Kern des Versprechens der Normandie wiederfinden." Auch 75 Jahre nach dem Kampf gegen Hitler-Deutschland gehe es um ein Bündnis "der Länder, die die gleichen Werte teilen: Demokratie und Freiheit".

Nach einem Besuch des amerikanischen Soldatenfriedhofs in Colleville trafen sich Macron und Trump zu einem gemeinsamen Mittagessen in Caen. Es hieß aus dem Elyséepalast, es stünden die Themen Naher Osten, Iran und Wirtschaftspolitik auf dem Programm, man habe "das vollste Vertrauensverhältnis" mit Washington.

Trumps Konfrontation mit Iran besorgt Macron

Bei der Pressekonferenz in Caen vor ihrem Arbeitsessen schlug auch Trump versöhnliche Töne an: "Viele warten darauf, was wir machen werden. Die Beziehung zwischen uns ist gut im Moment, und wir haben eine wunderbare Verbindung." Beide Seiten bestätigten zum Thema Iran, dass sie nicht wollen, dass dieser Atomwaffen habe. Macron betonte, man müsse neue Verhandlungen beginnen. Frankreich befürchtet, dass Trumps Konfrontationskurs mit dem Iran einen Krieg auslöst.

Donald Trump und seine Ehefrau Melania auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in der Normandie.
Donald Trump und seine Ehefrau Melania auf dem amerikanischen Soldatenfriedhof in der Normandie.Foto: Carlos Barria/Reuters

Mit Macron, ebenso wie mit Bundeskanzlerin Angela Merkel, stehen die Beziehungen der US-Regierung seit einigen Monaten nicht gut, seitdem sie die USA im Handelsstreit kritisieren. Im Gegenzug kritisierte Trump unter anderem den Ehrgeiz von Macron für eine europäische Verteidigung. Das Eintreten Macrons für Multilateralismus und eine weltoffene Wirtschaftspolitik verärgert den US-Präsidenten besonders.

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Macron und Trump werden sich schon bald wiedersehen, in Japan beim G20Gipfel in einigen Wochen und beim G7-Gipfel in Biarritz im August. Kurz vor dem D-Day hatte Macron Trump noch herausgefordert: Am Montag hatte er offen den Wirtschaftskrieg von Trump gegen China kritisiert – nicht gerade die beste Einstimmung auf ihr Treffen, sondern eher eine Machtprobe von Seiten Macrons, bevor er Trump zum Heimspiel empfing.

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