• Donald Trump droht mit „Ende des Iran“: Ein Krieg wäre kein militärischer Spaziergang für die USA

Donald Trump droht mit „Ende des Iran“ : Ein Krieg wäre kein militärischer Spaziergang für die USA

US-Präsident Trump droht dem Iran mit seinem „offiziellen Ende“. Doch die Erfolgsaussichten eines Militärschlags sind fraglich. Eine Einordnung.

Startklar. Im Persischen Golf trainieren US-Soldaten auf dem Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ mögliche Einsätze in der Region.
Startklar. Im Persischen Golf trainieren US-Soldaten auf dem Flugzeugträger „Abraham Lincoln“ mögliche Einsätze in der Region.Foto: Jeff Sherman/Reuters

Irgendwo südlich der irakischen Hauptstadt Bagdad zündelten Unbekannte am Sonntag an einem weltpolitischen Konflikt, der jederzeit explodieren könnte. Sie schossen eine Katjuscha-Rakete auf die schwer gesicherte „Grüne Zone“ ab, wo sie nahe der amerikanischen Botschaft einschlug. Verletzt wurde niemand. Doch im fernen Washington griff Donald Trump zu seinem Handy, um per Twitter eine Drohung an den Iran als mutmaßlichen Drahtzieher zu senden: Sollte Teheran den Kampf suchen, wäre dies „das offizielle Ende des Iran“. An der waffentechnischen Überlegenheit der USA besteht kein Zweifel. Aber ein militärischer Spaziergang wäre ein Krieg für die Amerikaner nicht.

Trump hat die ohnehin bereits starke Militärpräsenz seines Landes am Persischen Golf in jüngster Zeit zusätzlich durch einen Flugzeugträger-Verband und eine Bomberstaffel nochmals erhöht. Pläne des Pentagon sehen Medienberichten zufolge sogar die mögliche Entsendung weiterer 120.000 US-Soldaten in die Region vor, wenn der Iran amerikanische Einrichtungen angreifen sollte.

Der Konflikt würde nicht auf die Islamische Republik beschränkt bleiben

US-Regierungsvertreter sprechen von Anzeichen einer solchen Aggression und sehen sich durch die Anschläge auf vier Öltanker im Golf – die nach US-Einschätzung von iranischen Marinetauchern verübt worden sein könnten – und Angriffe auf Ölanlagen in Saudi-Arabien bestätigt. Die dafür genutzten Drohnen wurden von den aufständischen Huthi-Milizen im Jemen abgefeuert, die enge Partner der Mullahs in Teheran sind.

Experten wie Alex Vatanka vom Nahost-Institut in Washington werten diese Aktionen als Warnzeichen des Iran. Teheran wolle den USA sowie Saudi-Arabien und den Vereinten Arabischen Emiraten signalisieren, dass ein militärischer Konflikt nicht auf die Islamische Republik beschränkt bleiben würde, sagte Vatanka dem Tagesspiegel in Istanbul.

In Saudi-Arabien fordert eine regierungstreue Zeitung dessen ungeachtet gezielte Luftschläge der USA gegen iranische Einrichtungen. Eine Überraschung ist das nicht. Die saudische Führung um Kronprinz Mohammed bin Salman gehört zu den schärfsten Gegnern des Regimes in Teheran. Seit Jahren sind beide Länder Erzrivalen, wenn es um die Vormachtstellung in der Region geht. Jetzt will das Königshaus bei einer Konferenz in Mekka am 30. Mai sogar eine Allianz möglichst vieler sunnitischer Staaten gegen den schiitischen Iran schmieden.

Israel liefert sich Schattenkrieg mit Teheran

Auch Israels Regierung hat Interesse daran, den Iran militärisch zu schwächen. Seit Jahren warnt Premier Benjamin Netanjahu vor den Mullahs. Vor allem in Syrien liefert er sich bereits eine Art Schattenkrieg mit Teheran. Bomber des jüdischen Staats fliegen immer wieder Angriffe auf mutmaßliche Stellungen oder Waffentransporte der Iraner im Nachbarland. Jerusalem will unter allen Umständen verhindern, dass sich der Todfeind an Israels Grenze festsetzt. Ob sich Netanjahu und seine Militärs an einem Waffengang der USA gegen den Iran beteiligen würden, ist unklar. Aber ganz ausschließen möchten es Beobachter auch nicht.

Teheran verfügt über eine halbe Million Soldaten

Selbst ohne Unterstützung durch regionale Partner könnte die Supermacht USA iranische Regierungsstellen, militärische Befehlszentralen oder Atomanlagen sicherlich mit Luftangriffen in Schutt und Asche legen. Hardliner in Washington sind zuversichtlich, dass ihre Militärs kurzen Prozess mit den Iranern machen könnten. Doch nicht alle sind sich da so sicher. Wie das Magazin „Newsweek“ berichtet, simulierten amerikanische Generäle 2015 schon einmal einen bewaffneten Konflikt am Golf – die Iraner siegten in der Kriegssimulation über die USA. Dabei griffen sie mit Marschflugkörpern an, schalteten ein Raketenabwehrsystem aus und versenkten viele amerikanische Kriegsschiffe. Teheran verfügt über rund eine halbe Million Soldaten und ein beachtliches Raketenarsenal. Kurzstreckenraketen könnten „leicht“ US-Schiffe am Golf erreichen, ließen Irans Revolutionsgarden jüngst die Amerikaner wissen.

Die Straße von Hormus ist ein sensibles Nadelöhr

Die Führung der Islamischen Republik würde voraussichtlich auch mit „asymmetrischen“ Mitteln zuschlagen, also mit nadelstichartigen Angriffen und Anschlägen. Eine wichtige Rolle spielen dabei pro-iranische Milizen, die im Irak, in Syrien oder im Libanon amerikanische oder andere westliche Ziele angreifen könnten. Auch ein verstärkter Raketenbeschuss der Huthis auf Ziele in Saudi-Arabien wäre zu erwarten. Zudem könnte Teheran versuchen, die Straße von Hormus im Persischen Golf mit Hilfe von Minen zu sperren und damit die Schifffahrt in diesem Nadelöhr des internationalen Ölhandels lahmzulegen. Die Regierung in Teheran hat bereits mehrmals mit einer Schließung der Wasserstraße gedroht. Cyber-Angriffe gehören ebenfalls zum Arsenal der „asymmetrischen“ Kriegsführung.

Washington wünscht sich einen "normalen Iran"

Wie die USA mit derartigen Schlägen umgehen würden, ist ungewiss. Ohnehin sind die Ziele der Regierung in Washington im Falle einer militärischen Auseinandersetzung unklar. Manche Trump-Mitarbeiter plädieren für einen Sturz des Mullah-Regimes. Offiziell sagt Washington, es wünsche sich einen Iran, der sich verhalte wie ein „normales Land“ und zu Gesprächen über striktere Auflagen für das Atomprogramm bereit sei.

Doch Verhandlungen unter dem Druck amerikanischer Sanktionen und Luftangriffe wären politischer Selbstmord für die iranische Führung. Sie würde in einem Konflikt mit den USA letztendlich um das eigene Überleben kämpfen – und deshalb vermutlich alle Mittel einsetzen, über die sie verfügt.

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