Irans Luftangriffe im Irak : Wie Trump sein Gesicht wahren kann

Gab es Tote und wie viele? Diese und andere Fragen entscheiden, ob die Mullahs und Trump sich nun militärische Zurückhaltung auferlegen. Ein Kommentar.

Im Irak gehen Menschen immer wieder für die Eigenständigkeit des Landes zu demonstrieren.
Im Irak gehen Menschen immer wieder für die Eigenständigkeit des Landes zu demonstrieren.Foto: Khalid Mohammed/AP/dpa

Die Angriffe des Iran auf US-Stützpunkte im Mittleren Osten in der Nacht zu Mittwoch waren erwartet worden. Sie sind nach erstem Augenschein glimpflich ausgegangen. Damit eröffnet sich eine Chance, die Eskalation der Feindseligkeiten zu beenden und die gefährliche Krise unter diplomatische Kontrolle zu bekommen. Ob es so kommt, hängt von mehreren offenen Fragen ab.

80 Tote oder kaum Opfer?

Die Führung in Teheran behauptet zwar, sie habe mit ihren mehr als einem Dutzend Raketen 80 Amerikaner auf den beiden Stützpunkten getötet. Aber:

  • Erstens kann sie das nicht wissen. Es klingt wie eine Propagandameldung an die eigene Bevölkerung.
  • Zweitens deuten die Nachrichten aus anderen, verlässlicheren Quellen auf einen anderen Ausgang hin. Laut Bundeswehr sind die deutschen Soldaten in Erbil, einem der beiden von Iran angegriffenen Ziele, wohlauf. Sie seien rechtzeitig gewarnt worden und hätten Schutzräume aufgesucht.
  • Drittens werden die USA erst noch bekannt geben, ob es Tote und Verletzte unter ihren Militärs gab und wie hoch die Schäden sind. Auch davon hängt ab, ob Präsident Trump militärisch reagiert und wie.

Bestätigt sich der glimpfliche Ausgang der iranischen Angriffe, kann Trump es sich erlauben, nicht zurückzuschlagen. Es würde ihm nicht als Schwäche ausgelegt.

Flugzeugabsturz oder versehentlicher Abschuss?

Gerade jetzt ist es wichtig, sich an eine Grundwahrheit in diesem seit langem schwelenden Konflikt zu erinnern: Die Fachleute sind sich einig, dass weder US-Präsident Donald Trump noch die Mullahs in Teheran an einer weiteren Eskalation interessiert sind - und schon gar nicht an einem offenen Krieg.

Trauer um General Soleimani in Teheran
Trauer um General Soleimani in TeheranFoto: Rouzbeh Fouladi/imago images/ZUMA Press

Der Iran kann ihn nicht gewinnen, dafür ist er militärisch zu schwach. Die USA wollen weder Soldatenleben noch Geld in einem weiteren Krieg im Nahen und Mittleren Osten verlieren. Und schon gar nicht in einem Wahljahr wie 2020.

Neben der derzeit noch ungeklärten Frage der Opfer der iranischen Raketenangriffe bleiben weitere offene Fragen, die mit darüber entscheiden, ob der Iran oder die USA weitere militärische Aktionen riskieren.

Die nächsten Stunden werden Aufklärung bringen. Unter günstigen Umständen markiert dieser Mittwoch keine Wende zu weiterer militärischer Eskalation zwischen dem Iran und den USA. Sondern eine Wende zur Zurückhaltung.

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