Peer Steinbrück und Florian Schroeder : "Im Herbst könnte der Deckel vom Topf fliegen"

Wie lange hält die große Koalition? Ist Olaf Scholz der "passive Sterbehelfer der SPD"? Ein Gespräch mit einem Ex-Politiker und einem Kabarettisten.

Peer Steinbrück (SPD), Ex-Finanzminister und Ex-Kanzlerkandidat, geht wieder mit dem Kabarettisten Florian Schroeder auf Tournee.
Peer Steinbrück (SPD), Ex-Finanzminister und Ex-Kanzlerkandidat, geht wieder mit dem Kabarettisten Florian Schroeder auf Tournee.Foto: Mike Wolff

Der ehemalige Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) erwartet ein Scheitern der Bundesregierung von Union und SPD vor dem Jahreswechsel. "Ich glaube nicht, dass die große Koalition das Ende des Jahres erreicht", sagte der frühere SPD-Kanzlerkandidat dem Tagesspiegel. Er rechne "damit, dass sich die politische Landschaft spätestens zum Ende des Jahres neu formiert hat", meinte Steinbrück: "Nach den drei Landtagswahlen im Herbst könnte der Deckel vom Topf fliegen."

Der frühere Finanzminister kritisierte den Zustand der Sozialdemokratie in Deutschland. "Die SPD bietet das Bild einer Partei, die ständig mit sich selbst hadert", erklärte er. Die sei einer der Gründe, warum sie in erheblichen Schwierigkeiten sei. "Man hat den Eindruck, sie zweifelt permanent an sich selber. Sozialdemokraten zeigen eine politische Körpersprache, die signalisiert, dass wir uns nicht einmal selbst vertrauen", fügte er hinzu.

Angesprochen auf seinen manchmal emotionalen Politikstil erwiderte der frühere Bundesfinanzminister: "Wollen Sie einen völlig glatt gelutschten, undurchsichtigen Politikertypus haben? Oder wollen Sie einen haben, der gelegentlich zuspitzt und deutlich macht, dass Politik etwas mit Leidenschaft zu tun hat, die nach Max Weber zu den politischen Tugenden gehört? Das Widersprüchliche ist: Viele fordern Klartext von Politikern, aber wehe, sie sprechen ihn. Dann rast die Empörungswelle auch durch Ihre Zeitung."

[Das Doppelinterview lesen Sie am Sonntag im Tagesspiegel.] 

Steinbrück tritt gemeinsam mit dem Kabarettisten Florian Schroeder am 14. Juni im Berliner Admiralspalast auf. Das Gespann bezeichnet sich als "satirisches Liebespaar".

Schroeder sagte zur Krise der SPD: "Wenn ich Olaf Scholz sehe, denke ich immer, das ist der passive Sterbehelfer der SPD – Tod durch Unterlassen, indem notwendige Medikamente nicht mehr verabreicht werden. Aber jetzt kommt ja das Trio Dreyer, Schwesig, TSG. Wenn schon Troika, dann bitte richtig: Das Erfolgstrio Schröder, Scharping und Lafontaine muss reanimiert werden. Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, kommt standesgemäß auf’m Hollandrad und luchst den Grünen ein paar Stimmen ab, Lafontaine wird von der Linken zurückgeholt, damit sich von da auch ein paar Wähler zur SPD zurück verirren können. Wobei er der SPD Geld zahlen muss, damit er zurückdarf. Eine ganz neue Form des Transfers."

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