Vorwahlen der US-Demokraten : Amy Klobuchar nutzt ihre Chance

In New Hampshire erkämpft sich die Senatorin aus Minnesota einen starken dritten Platz. Amy Klobuchar profitiert von der Schwäche Joe Bidens.

Amy Klobuchar feiert mit ihren Unterstützern einem starken dritten Platz in der Vorwahl von New Hampshire.
Amy Klobuchar feiert mit ihren Unterstützern einem starken dritten Platz in der Vorwahl von New Hampshire.Foto: Preston Ehrler/SOPA Images via ZUMA Wire/dpa

Als immer weitere Zahlen eintrudeln und das Bild sich verfestigt, tritt die Kandidatin auf die Bühne. Sie wendet sich an ihre feiernden Anhänger mit den vielen grünen "Amy"-Schildern in Concord/New Hampshire - und an den Rest des Landes, der diese demokratische Präsidentschaftsbewerberin noch gar nicht so richtig auf dem Favoriten-Zettel hat.

"Hallo Amerika! Ich bin Amy Klobuchar, und ich werde Donald Trump schlagen." Applaus und Jubel brandet auf. Und man merkt der US-Senatorin aus Minnesota an, wie gut ihr dieser Dienstagabend tut.

Auf den dritten Platz hat sie es bei der zweiten Vorwahl in New Hampshire geschafft, hinter dem linken Senator aus Vermont, Bernie Sanders, und dem ehemaligen Bürgermeister von South Bend, Pete Buttigieg. Aber deutlich vor, und das ist die große Überraschung, dem einstigen Favoriten und ehemaligen Vizepräsidenten Joe Biden sowie ihrer Senatskollegin aus Massachusetts, Elizabeth Warren. Dieses Ergebnis ist bemerkenswert - und für Klobuchar genau das, was ihre Kampagne jetzt gebraucht hat.

Ihr starker Auftritt beim TV-Duell hat ihr sehr genutzt

Die zum moderaten Lager zählende 59-Jährige hat Stehvermögen gezeigt, obwohl lange wenig darauf hindeutete, dass sie so gut abschneiden würde. Die ganze Aufmerksamkeit zogen zuletzt Sanders, Buttigieg und der schwächelnde Biden auf sich. Bei der ersten Vorwahl in Iowa am Montag vor einer Woche hatte sie es nur auf den fünften Platz geschafft.

Aber Klobuchar hat an ihre Chance geglaubt, in New Hampshire auf sich aufmerksam zu machen. "Wir haben es mit Ideen geschafft, und mit harter Arbeit", fährt sie fort.

Seit einem Jahr befindet sich Klobuchar bereits in diesem Rennen. Dass sie nun endlich ihre Chance bekommt, hat viel mit den TV-Duellen der Demokraten zu tun, bei denen sie regelmäßig eine gute Figur macht. Vor allem beim letzten, hier in New Hampshire am vergangenen Freitag: Viele Beobachter erklärten sie danach zur Siegerin der Debatte. Nun hat sich erstmals gezeigt, dass dies auch die Wähler beeindruckt. Ihr Erfolg hat aber auch mit dem Schwächeln von Biden und Warren zu tun.

Sie hebt ihre Kompromissfähigkeit hervor

Klobuchars Hauptargument, warum sie die Kandidatin der Demokraten werden und dann Präsident Donald Trump am 3. November schlagen könne, lautet: Wie kein anderer der Bewerber sei sie in der Lage, eine Koalition aus enthusiastischen Demokraten, Unabhängigen und auch moderaten Republikanern formen zu können. In ihrer Karriere habe sie immer wieder bewiesen, dass sie durchsetzungsstark und ergebnisorientiert sei, und dass sie mit den Republikanern im Senat zusammenarbeiten könne.

Sie spricht sich anders als ihre Mitbewerber aus dem linken Lager für eine solide Haushaltspolitik aus. Die teuren Krankenversicherungspläne von Sanders und Warren lehnt sie ab, genauso wie den Vorschlag, die Studiengebühren an Colleges abzuschaffen.

Ihren größten Rückhalt erhielt sich US-Medien zufolge von über 65-Jährigen und Akademikern - und hier vor allem weißen Frauen mit Hochschulabschluss. Auch bei regelmäßigen Kirchgängern schnitt sie gut ab, und bei denen, die bis zuletzt unentschieden waren.

Bei den Afroamerikanern hat sie weniger Rückhalt als andere

Nun will sie sich mit aller Kraft auf die anstehenden Wahlen in Nevada und South Carolina konzentrieren. Ob ihr gutes Abschneiden in New Hampshire sich da weiter fortsetzt, ist derzeit noch offen. Denn auch Klobuchar hat, ähnlich wie Buttigieg, ein Problem in diesen deutlich heterogeneren Bundesstaaten: Bei der für die Demokraten extrem wichtigen Gruppe der Afroamerikaner, die etwa in South Carolina mehr als die Hälfte der demokratischen Wählerschaft ausmachen, tut sie sich noch schwer.

Außerdem verfügt sie über deutlich geringere finanzielle Mittel als zum Beispiel Bernie Sanders, der mit seiner Graswurzelkampagne enorm viele Einzelspender mobilisiert.

Geld wird sie aber brauchen, um im weiteren Rennen dranzubleiben. Erst im Juli bestimmen die Demokraten, wer Trumps Herausforderer wird. Immerhin: Schon nach der letzten TV-Debatte stiegen die Spendeneinnahmen deutlich an. Das dürfte jetzt erst einmal so weiter gehen.

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