Wahl Kramp-Karrenbauers : Freundliche Worte, Angebote und erste Wünsche

Die Reaktionen Politik, Wirtschaft und Gewerkschaften auf die Wahl Kramp-Karrenbauers sind überwiegend freundlich.

Annegret Kramp-Karrenbauer bekommt nicht nur gute Wünsche mit auf den Weg.
Annegret Kramp-Karrenbauer bekommt nicht nur gute Wünsche mit auf den Weg.Foto: Odd Andersen, AFP

Die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer hat nach ihrer Wahl auf dem Parteitag in Hamburg am Freitag vor allem gute Wünsche, Angebote zur Zusammenarbeit und erste Forderungen mit auf den Weg bekommen. Kritik wurde bei den Parteien links und rechts außen laut.

CSU-Chef Horst Seehofer, der am 19. Januar als Parteichef abtreten wird, nutzte die Gelegenheit, um zum ersten Mal zu twittern. "Meine herzlichen Glückwünsche zur Wahl zur neuen Vorsitzenden der CDU", schrieb er. "Viel Glück und Erfolg im neuen Amt! Auf gute Zusammenarbeit mit der CSU!" Noch schneller mit den guten Wünschen war jedoch SPD-Chefin Andrea Nahles. Sie verwies die Neugewählte auf die "großen Fußstapfen", in die sie trete. Bundestagsvizepräsident Thomas Oppermann geht nach Kramp-Karrenbauers Wahlsieg davon aus, dass Merkel in den kommenden Jahren Bundeskanzlerin bleiben wird. "Damit hat Angela Merkel gute Chancen, für den Rest der Wahlperiode im Amt zu bleiben", zitieren die Zeitungen der Funke-Mediengruppe den SPD-Politiker. "Die Koalition muss jetzt zeigen, dass sie gut regieren kann."

Kaum vereinbare Hoffnungen

Die Kommentare der Opposition fielen dagegen uneinheitlich aus. Freundlich äußerte sich FDP-Chef Christian Lindner: Seine Partei freue sich auf fairen Wettbewerb und gute Zusammenarbeit. "Es ist nun die Aufgabe, die CDU zu einen. Eine Mehrheit des Parteitags sprach sich für eine andere Strategie aus, hat dann aber eher Kontinuität gewählt," schrieb Lindner auf Twitter. Die Vorsitzende der Linksfraktion, Sahra Wagenknecht, hält Kramp-Karrenbauer gegenüber Merz für das kleinere Übel. "Zwar ist gut, dass die CDU nicht Blackrock-Merz als Parteichef gewählt hat", twittert sie. "Aber AKK steht für ein Weiter so. Eine soziale Wende ist mit einer CDU auch unter AKK nicht zu machen." Die SPD dürfe sich nicht mit der CDU zu Tode regieren. Die AfD-Vorsitzende Alice Weidel sieht die Konservativen als die Verlierer des Hamburger CDU-Parteitages. "Damit haben auch die letzten konservativen Christdemokraten ihren Kampf verloren und in der Union keine politische Heimat mehr", schrieb sie. Unter Kramp-Karrenbauer werde sich der Linkskurs der CDU fortsetzen, die neue Chefin sei nur eine neue Version von Merkel.

Wirtschaftsvertreter meldeten sich bereits unmittelbar nach der Wahl mit Wünschen. Der Bundesverband Großhandel fordert von der neuen CDU-Chefin Steuererleichterungen. "Unzweifelhaft wird es Zeit, die Modernisierung der Unternehmensbesteuerung mit Entlastungen in Angriff zu nehmen", erklärt der Verband. Zudem müsse der Soli als "starkes Aufbruchsignal" komplett abgeschafft werden. Der Chef des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Dieter Kempf, sagte: „Die hohe Zustimmung auch für Herrn Merz beweist, dass es in der CDU eine große Nachfrage nach neuen wirtschaftspolitischen Impulsen gibt - Stichwort Steuerreform.“

Auf der anderen Seite der Tarif-Parteien begrüßte Verdi-Chef Frank Bsirske die Wahl Kramp-Karrenbauers. Er zeigte sich überzeugt, dass die neue CDU-Chefin "ein Ohr für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" hat. Und Bsirske meint: "Das ist gut. Und das bietet Anknüpfungspunkte für uns als Gewerkschaft." Der Sozialverband VdK fordert die neue CDU-Chefin zu einer sozialpolitischen Ausrichtung der Union auf. "Wer sozialen Frieden möchte, der muss durch Umverteilung die Kluft zwischen Reich und Arm überwinden und alle am Wohlstand beteiligen", sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele dem "Handelsblatt". Dazu gehöre, dass sich alle Menschen auf eine sichere gesetzliche Rente verlassen könnten, "heute und in 50 Jahren". In Deutschland müsse außerdem mehr bezahlbarer Wohnraum geschaffen werden. Reuters










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