Political Animal : Habe die Ehre

Angela Merkels Amtseid – an Wolfgang Schäuble sieht sie, was dienen heißt. Eine Betrachtung.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit dem damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Archivbild.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) spricht mit dem damaligen Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) Archivbild.Foto: Michael Kappeler/dpa

Merkel zum Vierten – wer hätte das gedacht? Heute werden alle sagen: alle. Aber als sie anfing, 2005, da dachte die Mehrheit auch in der CDU, was Gerhard Schröder, SPD, sagte: Die kann es nicht. Wobei es noch nicht einmal das war, was Schröder dachte. Der dachte: Wenn sie erst einmal regiert, dann regiert sie lange.

Denn die SPD, emanzipatorische Partei, die sie sein will, mit starken Frauen, wird Frau nicht so angreifen (können), wie man sie angreifen müsste, um bald selber wieder zu regieren. Deswegen lockte Schröder seinerzeit auch die Kochs und Merz’ und wie sie alle hießen, es mit Merkel aufzunehmen. Und tatsächlich schien sie hinreichend schwach zu sein. 35 Prozent bei der Wahl, das war damals ein Desaster.

Darauf setzte Schröder, und auf Solidarität der SPD-Führung für seinen Kurs, Merkel zu verhindern. Hat ja bekanntermaßen nicht geklappt – und nun ist Angela Merkel die Kanzlerin, die sich daran macht, die Rekordmänner zu überholen, Konrad Adenauer und besonders Helmut Kohl.

Solange sie gewählt wird

Ob es wohl das ist, woran Wolfgang Schäuble denken wird, wenn er Angela Merkel den Amtseid abnimmt? Schäuble hat die großen Männer alle gekannt, hat dem bisher Größten unter ihnen, Kohl, als „Innenkanzler“ zur Seite gestanden in einer Weise, dass der sich eigentlich jeden Tag hätte bedanken müssen. Hat aber bekanntermaßen auch nicht geklappt, und so ist Schäuble es nie geworden. Der beste Kanzler, den Deutschland nie hatte: Das ist kein Titel, der so richtig fürs Geschichtsbuch taugt. Obwohl er es mehrere Male in der Hand gehabt hat: Kohl hätte er stürzen können, Merkel auch, wenn er denen ein Zeichen gegeben hätte, die das wollten. Es waren einige. Aber nichts da, nicht mit Schäuble. Weil man so etwas nicht tut, aber außerdem, weil es dumm wäre. Deutschlands noch immer beliebteste Politikerin stürzen? Für Genugtuung steht Schäuble nicht zur Verfügung. Er findet: Ein/e Kanzler/in regiert so lange, wie er oder sie gewählt wird.

Jetzt wird Merkel wiedergewählt. Und der, der dem Staat wie kein Zweiter gedient hat, nimmt ihr den Amtseid ab. Das ist auch eine Ehre. Für beide.

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