Niki-Übernahme : Air-Berlin-Deal mit Lufthansa droht zu platzen

Brüssel hat massive Bedenken gegen Übernahme von Niki durch Lufthansa. Carsten Spohr will die EU-Kommissarin persönlich überzeugen.

Im Ringen um die Zukunft der Air-Berlin-Tochter Niki rechnet sich Niki Lauda wieder Chancen aus, die einst von ihm gegründete Air-Berlin-Tochter Niki zu übernehmen.
Im Ringen um die Zukunft der Air-Berlin-Tochter Niki rechnet sich Niki Lauda wieder Chancen aus, die einst von ihm gegründete...Foto: imago/Rüdiger Wölk

Die Übernahme eines großen Teils der insolventen Fluggesellschaft Air Berlin durch die Lufthansa könnte auf den letzten Metern scheitern. In Kreisen der EU-Kommission, die das Geschäft genehmigen muss, gibt es massive Bedenken gegen eine Übernahme von 81 der einst 140 Flieger der Berliner Flotte samt Personal. Lufthansa-Konzernchef Carsten Spohr will persönlich mit EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager sprechen, hieß es aus Frankfurt. In der Nacht zum Freitag läuft eine Frist ab, bis zu der die Lufthansa ihr Angebot anpassen kann, um kartellrechtliche Bedenken auszuräumen.

Noch bevor Lufthansa die Kommission im Oktober um Prüfung der Fusion anrief, hatte Vestager in einem Interview mit der „FAZ“ klar gestellt: „Offensichtlich überschneiden sich die Routen der beiden Fluggesellschaften in nicht geringem Maße.“ Auf einigen Strecken gebe es jetzt entweder einen sehr hohen Marktanteil der beiden Airlines oder sogar ein Monopol. „Deshalb müssen wir uns diese Übernahme sehr genau anschauen.“ Wie in Brüssel zu hören ist, gebe es mehr als 100 Überschneidungen bei den Streckennetzen der Airlines. Der Konzentrationsprozess auf dem Luftfahrtmarkt sei in Deutschland bereits weit fortgeschritten.

In Brüssel gilt als ausgemacht, dass die Lufthansa, Nummer eins auf dem deutschen Markt, nicht den Herausforderer Air Berlin übernehmen könne, ohne substanzielle Zugeständnisse zu machen. Denkbar ist aber etwa, dass die Lufthansa die Air-Berlin-Tochter Niki zum Verkauf stellt oder Strecken aufgibt. Die Wettbewerbshüter haben Niki besonders im Blick, weil die Air-Berlin-Tochter nach wie vor den Flugbetrieb aufrecht erhält, während Air Berlin nicht mehr abhebt.

Bis Mittwoch hatte die Lufthansa noch nichts eingereicht. Denkbar ist, dass Lufthansa am Donnerstag noch liefert. Falls nicht, wird die Kommission am 7. Dezember bekannt geben, ob sie die Fusion ohne weitere wettbewerbsrechtliche Bedenken genehmigt oder in eine weitergehende Prüfung einsteigt.

"Das ist ja wohl eine marktbeherrschende Stellung"

Dieser Termin kann sich um zehn Werktage verschieben, wenn Lufthansa noch Zusagen macht. Sollte die Kommission zu beiden Terminen die Fusion nicht genehmigen können, würden die Beamten vertieft prüfen. Dafür sind mindestens 90 Werktage vorgesehen. Wie in Brüssel zu hören ist, bezieht die Kommission in ihre Prüfung nicht die derzeitige Entwicklung der massiv angestiegenen Flugpreise mit ein. Es gehe um eine grundsätzliche Überprüfung, ob bei einer Fusion der beiden Airlines noch genügend Anreize für einen Wettbewerb gegeben sind.

Auch Marktbeobachter in Frankfurt glauben, dass Brüssel die Lufthanseaten nötigen könnte, auf die 21 Jets der Niki zu verzichten. In Österreich käme Lufthansa mit der Tochter Austrian, Eurowings und den Maschinen von Air Berlin und Niki auf einen Marktanteil von 75 Prozent. „Das ist ja wohl eine marktbeherrschende Stellung. Da müssen die Wettbewerbshüter eingreifen“, sagte ein Experte. Auch für Christoph Debus, Chef der Flugsparte des Reisekonzerns Thomas Cook, zu der auch Condor gehört, ist klar, dass eine Übernahme der insgesamt 81 Air Berlin-Jets „nur nach intensiver Prüfung und unter Auflagen genehmigt werden kann“. Condor war im Bieterverfahren für Air Berlin und Niki leer ausgegangen.

Im politischen Berlin sähe man ein Scheitern der Übernahme in dem Stadium als massives Problem. „Wenn sich ein Scheitern der Übernahme bewahrheitet, würde der Lufthansa-Lobbyismus von Merkel, Dobrindt und Co. endgültig zur Bruchlandung“, sagte Katharina Dröge, wettbewerbspolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag. „Niki-Mitarbeiter müssen nun erneut um ihre Jobs bangen, die Kunden um den Verfall ihrer Tickets. Und die Steuerzahler könnten auf dem 150 Millionen Euro Kredit des Bundes sitzen bleiben. Das wäre ein Desaster.“

Niki Lauda betonte, sein Angebot gelte nach wie vor

In Verhandlungskreisen wittert man hinter dem Widerstand aus Brüssel große Lufthansa-Konkurrenten wie IAG, Muttergesellschaft der British Airways, Iberia und Aer Lingus, die nicht zusehen wollen, wie Lufthansa die Stellung im internationalen Luftverkehr ausbaut – mit Unterstützung der Bundesregierung. Vor einer Woche noch, bei einem Vorgespräch mit den Wettbewerbshütern in Brüssel, sei die Atmosphäre gut gewesen, berichtete ein Insider dem Tagesspiegel.

Derweil rechnet sich Ex-Rennfahrer und Unternehmer Niki Lauda nun wieder Chancen aus, die einst von ihm gegründete Air-Berlin-Tochter Niki zu übernehmen. Er werde zusammen mit dem Touristikkonzern Thomas Cook erneut für die Fluglinie bieten, wenn die EU-Kommission die Übernahme durch die Lufthansa nicht genehmigen sollte. „Wir sind gesprächsbereit. Die sich abzeichnende Entscheidung in Brüssel kommt mir gelegen“, sagte Lauda dem „Handelsblatt“ in Wien. Sein Angebot zusammen mit Thomas Cook gelte nach wie vor.

Lauda sieht sich in seiner Kritik an der Übernahme von Air Berlin und Niki durch die Lufthansa bestätigt. „Die Übernahme der Air Berlin schafft quasi ein Monopol in Deutschland und Österreich. Das ist fürchterlich“, bekräftigte er erneut. Sollte der Lufthansa untersagt werden, die 21 Jets der Niki samt der rund 1000 Mitarbeiter zu übernehmen, dürfte sie sofort den Geldhahn zudrehen. Das würde das Aus für die Airline quasi über Nacht bedeuten, hieß es in Kreisen dieser Airlines am Mittwoch. Damit ständen die Mitarbeiter kurz vor Weihnachten doch auf der Straße, obwohl ihre Jobs als gesichert galten. Ob Niki Lauda, Thomas Cook oder gar die British-Airways-Mutter AIG zum Zuge kommen, ist unklar. Denn bisher sollen sie keine Bereitschaft gezeigt haben, sich am Aufräumen der Altlasten bei Air Berlin zu beteiligen. Das aber interessiert den Insolvenzverwalter vorrangig. Und Verhandlungen würden erneut beginnen. (mit HB)

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