Merkel meldet sich aus Quarantäne : „Ich muss Sie bitten, seien Sie geduldig“

Die Kanzlerin sieht noch keine Veranlassung, die Einschränkungen in der Coronakrise zu lockern. In einer Audiobotschaft lobt Angela Merkel die Bürger.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)Foto: Imago/Felix Zahn

Mit einer persönlichen Nachricht hat sich Bundeskanzlerin Angela Merkel aus der häuslichen Quarantäne gemeldet und die Menschen in Deutschland um Geduld in der Coronavirus-Krise gebeten. Der Mensch sei „nun mal auf Kontakt und Nähe eingestellt, und darauf freue ich mich dann auch wieder“, sagte die CDU-Politikerin, die nach Kontakt zu einem infizierten Arzt derzeit zu Hause bleibt, in ihrem am Samstag veröffentlichten Wochenend-Podcast.

„Niemand kann heute mit gutem Gewissen sagen, er wisse, wie lange diese schwere Zeit anhält“, sagte Merkel. „Ich muss Sie bitten, seien Sie geduldig.“

„Noch geben uns die täglichen Zahlen der Neuinfektionen leider keinen Grund, nachzulassen oder die Regeln zu lockern“, sagte die Bundeskanzlerin. Ein Ziel sei es, dass die Zahl der Neuinfektionen sich nur noch alle zehn Tage verdopple, um das Gesundheitssystem nicht zu überfordern. Derzeit sei das aber schon nach fünfeinhalb Tagen der Fall, der Anstieg also noch viel zu hoch.

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Merkel dankte den Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland für die konsequente Umsetzung der neuen Maßnahmen zur Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie. „Die neuen Regeln haben das öffentliche Leben für jeden spürbar in wenigen Tagen auf ein Minimum heruntergefahren.“ Ziel sei es, Kontakte zu vermeiden, um Ansteckungen zu verhindern. Fast alle Menschen hätten sichtbar ihr Verhalten umgestellt. Angesichts dessen wolle sie einfach sagen: „Danke - von ganzem Herzen danke!“, betonte Merkel.

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Sie verstehe natürlich auch die Sorgen um die Wirtschaft als Ganzes oder den persönlichen Arbeitsplatz, sagte Merkel. „So schnell wie noch nie und mit so viel Geld wie noch nie hat die Politik Maßnahmen ergriffen“, betonte sie. „Ich denke, ich kann sagen: Wir mobilisieren, was wir können, um unserem Land in dieser unsicheren Zeit Sicherheit zu geben.“

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Die Bundeskanzlerin hatte ihre Audiobotschaft wegen ihrer vorübergehenden häuslichen Quarantäne aus dem Homeoffice aufgenommen. „Das ist eine Situation, die ich gerade mit vielen teile - man ist nicht krank und bleibt trotzdem zu Hause, um sicher zu sein, dass man das Virus nicht in sich trägt“, sagte sie.

Braun: Maßnahmen bleiben bis 20. April

Zuvor hatte bereits Kanzleramtschef Helge Braun in einem Interview mit dem Tagesspiegel klargestellt, dass es in der Coronavirus-Pandemie vor dem 20. April keine Lockerungen der bestehenden Einschränkungen geben werde. „Wir reden jetzt bis zum 20. April nicht über irgendwelche Erleichterungen“, sagte der CDU-Politiker. „Bis dahin bleiben alle Maßnahmen bestehen.“

Ältere Menschen müssten noch deutlich länger als Jüngere mit Kontakteinschränkungen rechnen. „Eines ist allen Modellen gemein, egal, wie wir uns entscheiden: dass die älteren und vorerkrankten Menschen in unserer Gesellschaft wirksam vor einer Infektion geschützt werden müssen, bis es einen Impfstoff gibt“, sagte Braun. (dpa, epd, Tsp)

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