Zeichen zum Wundern : Was die mysteriösen Schilder in Berlin wirklich bedeuten

Ständig kommen wir in der Stadt an rätselhaften Schildern und Kürzeln vorbei, ohne sie groß zu beachten. Wir haben mal genauer hingeschaut.

Foto: Stefan Jacobs / Montage: Tsp

Schilder, Schilder, überall diese Schilder. Rätselhafte Formeln und Formen, in allen Farben und Größen. Doch was bedeuten sie? Eine kleine Entdeckungstour durch die Stadt - und die Erläuterungen der Experten.

Geht gar nicht

Diese meist nur mit Draht festgezurrten Schilder sehen etwas provisorisch aus und kein bisschen orange. Das ist kein Zufall, denn sie sind der BSR selbst ein bisschen peinlich. Die meisten der stadtweit etwa 2400 Schilder warnen nämlich an Stellen, an denen kein Mensch zu Fuß unterwegs ist, etwa an Ausfallstraßen ohne Gehweg.

Die BSR ist dort, wo beispielsweise Wälder oder Bahntrassen angrenzen, theoretisch für den Winterdienst zuständig, der aber praktisch nicht notwendig ist. Damit das auch ein verirrter Passant erkennt, muss die BSR an den Zugängen zu diesen Bereichen (etwa an einmündenden Waldwegen) auf Anweisung des Amtes für Regionalisierte Ordnungsaufgaben die Schilder aufhängen.

Foto: Stefan Jacobs

Trikolore

Das rot umrandete Schild weist zu einem Hydranten, der sich auf öffentlichem Straßenland meist unter einem ovalen Deckel im Boden versteckt. Die durch Vandalismus und Verkehrsunfälle gefährdeteren Überflur-Hydranten es laut den Wasserbetrieben nur auf Privatgrundstücken.

Die Zahlen weisen auf eine Leitung mit 150 Millimeter Innendurchmesser, die sich einen Meter links und drei Meter vor der Tafel befindet. Das blaue Schild daneben bezieht sich auf einen Schieber, also einen Absperrhahn, der auf derselben Wasserleitung sitzt, aber 60 Zentimeter links vom Schild. Die kleinen Ziffern sind die BWB-internen Armaturennummern.

 

Foto: Stefan Jacobs

Allez les Bleus

Das S steht jeweils für Schieber, das LH für einen Lufthydranten, über den sich an hohen Punkten die Leitung (z.B. bei Bauarbeiten) entlüften lässt wie ein gluckernder Heizkörper. Das K weist zu einer Klappe, die wie ein Schieber die Leitung absperren kann, aber im Gegensatz zu diesem auf einer Achse direkt in der Leitung sitzt.

Lufthydrant und Klappe sitzen in 50 Zentimeter dicken Leitungen, die Schieber in 10 Zentimeter dicken. Ihre Positionen: 3,7 bis 4,8 Meter vor den Schildern und 12,1 bis 13,4 Meter links davon – für den Entstörungsdienst schnell auffindbar mit großen Schritten.

 

Foto: Stefan Jacobs

Bis zu 18 Jahren Haft

Laut Gesamtverband der Versicherungswirtschaft sind Kinder bis zum siebten Geburtstag deliktunfähig. Dann haften auch die Eltern nicht – sofern sie ihrer Aufsichtspflicht nachgekommen sind. Wenn nicht, muss die Haftpflichtversicherung der Eltern einspringen – etwa, wenn das sechsjährige Kind mit einem Feuerzeug das Mehrfamilienhaus in Brand gesetzt hat und die Nachbarn verletzt wurden.

Kinder ab sieben Jahren sind „bedingt deliktfähig“, nämlich wenn sie die Folgen ihres Handelns absehen konnten. Ein Sonderfall ist der Straßenverkehr, in dem Kinder erst ab zehn Jahren haften.

 

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T-Time

Das Schild in der Oberleitung signalisiert einen Trenner, der zwei Abschnitte voneinander isoliert. Die Trennung vermeidet Kurzschlüsse und Probleme, die sich bei der gleichzeitigen Durchfahrt mehrerer Bahnen ergeben können.

Auch andere spezielle Verkehrszeichen für die Tram sind an der Oberleitung befestigt. Ziffern bedeuten Tempolimits, die jeweils mit zehn multipliziert werden müssen – also steht beispielsweise eine 2 für Höchsttempo 20.

 

Foto: Stefan Jacobs

Schnelle Nummer

Die ersten drei Ziffern bezeichnen die Baureihe: 481 steht für das Nachwende-S-Bahn-Modell, 482 für die Beiwagen ohne Führerstand. Dahinter folgt die fortlaufende Nummer und am Ende die nach einer international einheitlichen Formel errechnete „Kontrollziffer“. Das Foto zeigt also den ersten von 500 Doppelwagen im Bestand der Berliner S-Bahn.

Allerdings enden die laufenden Nummern bei der 494 – und springen dann zu 501/601, 502/602 und 503/603. Diese Nummernpaare bezeichnen eine Sonderanfertigung, bei der je zwei Doppelwagen zu vierteiligen Einheiten verbunden sind.

Auch die Wagen mit den laufenden Nummern 001 bis 010 sind speziell: Sie gehören zu einer Vorserie, die beispielsweise an der Aussparung im Glas für den Türöffner erkennbar ist. Die späteren Exemplare haben kleinere Scheiben.

 

Foto: Stefan Jacobs

HHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHHH

Die H-Tafel zeigt dem Lokführer, wo er halten soll, um möglichst günstig zu stehen. Bei der „großen“ Bahn wird die Zuglänge in Meter angegeben, bei der S-Bahn gibt es eine Kombination. „Kurzzug“ meint Züge mit zwei Doppelwagen, das H allein steht für einen Vollzug (Betonung auf der ersten Silbe). Der Zusatz „24x“ betrifft sogenannte Dreiviertelzüge aus drei Doppelwagen – und mit 24 Achsen.

 

Foto: Stefan Jacobs

Alarmsignal

Das rot-weiße Mastschild kennzeichnet Hauptsignal Nr. 778. Dieses hier kann auch als Vorsignal (fürs nächste Hauptsignal) fungieren, was am nach unten weisenden gelben Dreieck (links vom Signal) erkennbar ist. Das nur bei der S-Bahn existierende verschnörkelte M sagt dem Triebfahrzeugführer, dass er bei rotem oder gestörtem Signal nach (fern-)mündlichem Auftrag durch den Fahrdienstleiter vorbeifahren darf.

Die 6 steht auf einer „Langsamfahrscheibe“, die ein Tempolimit von 60 km/h markiert. Der Pfeil ergänzt, dass das Limit nur für das Gleis rechts hinter der Weiche gilt.

Foto: Stefan Jacobs

Ich tank‘ bei UTA

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Das Schild gehört so selbstverständlich zu den meisten Tankstellen, dass man es kaum wahrnimmt. Es steht für „Union Tank Eckstein“, einen Service- und Tankkartenspezialisten für Spediteure und Berufskraftfahrer. Das Unternehmen aus Kleinostheim am Main berichtet von „mehr als 62.000 Akzeptanzstellen in 40 Ländern“.

Foto: Stefan Jacobs
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