
© dpa/Michael Ukas
Blackout in Berlin: Immer noch 30.000 Haushalte ohne Strom – NRW schickt Notstrom-Anhänger
Nach Brandanschlag auf Stromversorgung im Südwesten: Bundeswehr soll beim Aufbau von Suppenküchen helfen + 19 Schulen bleiben dicht + Vulkangruppe bekennt sich + Alle Entwicklungen im Blog.
Zehntausende Haushalte, dazu Supermärkte, Läden, Lokale und Unternehmen im Südwesten von Berlin sind seit Samstagmorgen ohne Strom. Betroffen von dem Stromausfall sind weite Teile von Steglitz-Zehlendorf. Polizei, Feuerwehr, Katastrophenschutz und Hilfsorganisationen sind im Großeinsatz.
Die Fakten im Überblick
- Die linksextremistische Vulkangruppe hat sich dazu bekannt, einen Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Kraftwerk Lichterfelde verübt zu haben.
- 30.000 Haushalte und 1700 Gewerbekunden sind noch ohne Strom. Die vollständige Wiederversorgung soll bis Donnerstag dauern.
- Mobilfunk und Notruf sind eingeschränkt, es gibt mehrere Notunterkünfte, Wärmestuben und Anlaufstellen, um Feuerwehr und Polizei auf Notfälle hinzuweisen.
- 17 Schulen bleiben bis Mittwoch geschlossen; es wird eine Notbetreuung angeboten. Auch betroffene Kitas sind am Montag zu, eine Notbetreuung gibt es erst ab Dienstag.
- Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) bezeichnet den Anschlag auf die Stromversorgung als „Terrorismus“. Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) fordert Bundeshilfe bei den Ermittlungen und die Spitzenkandidatin der Linken, Elif Eralp, fordert eine bessere Krisenvorsorge.
Wie geht es weiter? Was müssen Betroffene für die nächsten Tage wissen? In diesem Liveblog informieren wir über alle Entwicklungen rund um den Stromausfall.
Nostrom-Anhänger aus NRW sollen nach Berlin gebracht werden
Nach dem Anschlag auf die Stromversorgung in Berlin hat das Land NRW die Unterstützung mit Notstromgeräten für die Bundeshauptstadt angeboten. Das bestätigte das Innenministerium in Düsseldorf auf Anfrage.
Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) hatte das Hilfsangebot im Gespräch mit der „Abendschau“ des RBB angenommen. Laut einem Sprecher geht es um bis zu 25 sogenannte Notstrom-Anhänger, die samt Personal nach Berlin gebracht werden sollen. (dpa)
Im Südwesten Berlins wächst angesichts des Blackouts die Angst vor den nächsten Tagen. Sportvereine öffnen deshalb ihre Türen und bieten warme Räume, Programm für Kinder und praktische Hilfe.
Ermittlungen zu Stromausfall noch bei Polizei
Die Ermittlungen zu dem Brandanschlag liegen noch komplett bei der Polizei. Die Staatsanwaltschaft der Hauptstadt ist bisher nicht eingebunden, wie ein Behördensprecher auf Anfrage sagte.
Im Fall des rund 60-stündigen Stromausfalls in Berlin-Köpenick Mitte September 2025, von dem rund 50.000 Stromkunden betroffen waren, hatte die Berliner Generalstaatsanwaltschaft die Ermittlungen übernommen. Sie begründete dies damals mit der „besonderen Bedeutung des Einzelfalls“.
Spurensuche auf Autobahn
Im Kontext der Untersuchungen kam es im vergangenen Oktober zu einem großen Polizeieinsatz mit Vollsperrung auf den Autobahnen 100 und 113. Aus Ermittlerkreisen hieß es, Spuren und Beweise zu dem mutmaßlich linksextremistischen Brandanschlag sollten gesichert werden.
Die Generalstaatsanwaltschaft macht dazu bis heute keine Angaben. „Die Ermittlungen zu dem Fall dauern an“, sagte der Sprecher lediglich. Nach Einschätzung der Behörden geht der Brandanschlag auf das Konto linksextremer Täter. Ein im Internet veröffentlichtes Bekennerschreiben bewerteten die Behörden als authentisch. Es wies demnach Ähnlichkeiten mit einem Bekennerschreiben zu einem vergleichbaren Brandanschlag im Februar 2025 nahe der Tesla-Autofabrik in Brandenburg auf. Auch der aktuelle Brandanschlag geht nach Einschätzung der Behörden auf das Konto der Gruppe. (dpa)
THW
Spandau hilt im Stromausfallgebiet
Auch das THW Spandau ist mit seinen Spezialisten im Einsatz. Das Technische Hilfswerk besteht aus 120 Leuten, alles Ehrenamtliche. Vorneweg: Kai Rölecke. Im normalen Leben ist er Polizist, in seiner Freizeit Spandaus THW-Chef.
Wie ist die Lage? "Wir sind seit Samstag im Dauereinsatz, in der Spitze mit bis zu 24 Kräften allein aus Spandau", sagte Rölecke am Montagmorgen dem Spandau-Newsletter des Tagesspiegels. Der Job ist anstrengend, die Reaktionen sind durchmischt. "Die einen beschweren sich bei uns, andere bedanken sich für unsere ehrenamtliche Arbeit mit Obst, Kaffee und netten Worten", sagt der 37-Jährige.
Wie das THW Spandau drüben auf der
anderen Seite konkret der Havel hilft? Erstens: in der Führungsstelle helfen.
Zweitens: Bürger-Hilfe vor Ort anbieten ("An unseren zwei VW-Bussen gibt's
zum Beispiel Handystrom und Infos"). Drittens: Das THW Spandau stellt eine
mobile Tankstelle und fährt einen Lkw mit einem Tank ("1000 Liter Diesel
haben wir dabei") zu den Notstrom-Aggregaten vor Krankenhäusern und
Pflegeeinrichtungen. Viertens: Die Ehrenamtlichen helfen der Berliner
Feuerwehr beim Transport ("Heute früh fuhren wir Stromaggregate von
Mariendorf nach Wannsee"). Das THW Spandau hat in Spandau seinen Sitz
neben dem Vivantes-Krankenhaus an der Neuendorfer Straße. (André Görke)
Polizei: Unfall an der Spanischen Allee – mobile Wachen eingerichtet
Nach dem Stromausfall unterstützen Polizei und Rettungskräfte, wo sie können. Als Anlaufstelle hat die Polizei mobile Wachen eingerichtet. Es sind 300 Einsatzkräfte im Einsatz.
In der Nacht zu Montag seien der Polizei „keine größeren Vorkommnisse im vom Stromausfall betroffenen Gebiet“ gemeldet worden, sagte eine Sprecherin am Morgen. Hinweise auf Einbrüche oder Einbruchsversuche gebe es nicht.
Allerdings habe es im Ortsteil Nikolassee einen Verkehrsunfall gegeben. Dort funktionieren aufgrund des Stromausfalls die Ampeln nicht. Genauere Informationen zu dem Unfall an der Spanischen Allee konnte die Polizei zunächst nicht nennen.
Der Brandanschlag, der Stromausfall im Berliner Südwesten und das Vorgehen der Behörden werden Thema im Abgeordnetenhaus. „Zwei Blackouts in vier Monaten. Wie kann es eigentlich sein, dass ein Brandanschlag auf eine Stelle, zehntausende Menschen für Tage vom Strom abschneidet?“, sagte Grünen-Innenexperte Vasili Franco.
Immer noch 30.000 Haushalte ohne Strom
Im Ortsteil Lichterfelde sind nahezu alle der rund 10.000 Haushalte sowie etwa 300 Gewerbebetriebe wieder ans Stromnetz angeschlossen, teilte Stromnetz Berlin mit. Lediglich wenige Anschlüsse westlich des Teltowkanals hängen weiterhin an einem Umspannwerk in Zehlendorf, das noch außer Betrieb ist.
Wirtschaftssenatorin Giffey: "Brauchen bei Ermittlungen Unterstützung vom Bund"
Nach dem Anschlag auf das Stromnetz im Berliner Südwesten hat die Berliner Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey (SPD) bei den Ermittlungen Unterstützung des Bundes gefordert.
Im rbb24inforadio sagte sie am Montag: "Die Frage ist ja, sind das nur linke Gruppen von Aktivisten, die ideologisch unterwegs sind, oder steckt da mehr dahinter. Das muss unbedingt ermittelt werden. (...) Es geht nicht nur um einen Angriff auf unsere Infrastruktur, sondern auch darum, dass unsere freie Gesellschaft angegriffen wurde. Wenn man sich das Bekennerschreiben anschaut, dann sind da Sichten auf unser Land drin, die sind hochgradig gefährlich."
Der Angriff hat laut Giffey erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen und sei durch nichts zu rechtfertigen.
Berlin habe nach dem jüngsten großflächigen Stromausfall im September reagiert und ein Resilienz-Konzept beschlossen: "Wir können sagen, was wir dort geplant haben, wird umgesetzt und funktioniert auch."
Es gehe jetzt darum, dass neben der Reparatur noch mehr Notstromaggregate eingesetzt werden, um die Lage möglichst noch vor Donnerstag zu verbessern, betonte Giffey.
Linke fordert bessere Krisenvorsorge nach Stromausfall
Zusätzliche Notunterkünfte in Kleinmachnow und Teltow
Seit dem Abend gibt es zwei neue Notunterkünfte direkt hinter der Landesgrenze. Um 20 Uhr öffneten Unterkünfte imAm Horizont leuchten andere Kieze
Bei Kerzenschein unterm Tannenbaum
Leser Philip Kapell hat uns dieses Bild aus einem Wohnzimmer geschickt. Sieht eigentlich ganz gemütlich aus - wüsste man nicht um den Ernst der Lage.
Kaminfeuer wärmt Hilfesuchende
Eigentlich hatte der Kamin im alten Rathaus Wannsee längst ausgedient...Wegner nennt Strom-Anschlag "Terrorismus"
Der Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) stuft den folgenreichen Anschlag auf die Stromversorgung der Hauptstadt als Terrorismus ein. „Das ist nicht nur eine Brandstiftung oder Sabotage. Das ist schon Terrorismus“, sagte der CDU-Politiker in der „Abendschau“ des RBB-Fernsehens.
„Es war eine linksextremistische Gruppe, die einmal mehr unsere Infrastruktur angegriffen hat und damit auch das Leben von Menschen bedroht hat, von älteren Menschen, die vielleicht Beatmungsgeräte brauchen, von Familien mit kleinen Kindern“, so Wegner. „Und wir müssen diese Täter jetzt schnappen.“
Polizei, Landeskriminalamt und Verfassungsschutz seien eingeschaltet. „Wir sind auch im Austausch mit dem Bundeskriminalamt, mit der Bundesebene, weil das ist ja hier kein Spaß, sondern hier ist ein terroristischer Anschlag passiert.“ Jetzt müsse der Druck erhöht werden, um die Täter dingfest zu machen. (dpa)
4000 Haushalte und 180 Gewerbebetriebe haben wieder Strom
Die Wiederversorgung der Haushalte im Südwesten mit Strom schreitet weiter voran. Wie Stromnetz Berlin am Abend mitteilte, konnten seit Sonntagnachmittag durch Umschaltungen im Netz weitere 4000 Haushalte sowie 180 Gewerbebetriebe wieder mit Strom versorgt werden. Sie wurden bei der priorisierten Wiederversorgung mehrerer Pflegeeinrichtungen mit zurück ans Netz gebracht.Damit haben nun wieder mehr Menschen Elektrizität, dennoch sind aktuell noch rund 31.000 Haushalte und etwa 1.700 Gewerbetreibende in Nikolassee, Zehlendorf, Wannsee und Lichterfelde ohne Strom. Die vollständige Wiederherstellung soll noch bis Donnerstagmittag dauern.
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