"Die Stimmung im Stadion ist zweitrangig"

Seite 2 von 3
Die Galeristin Monika Sprüth über ihre Fußballleidenschaft : „Ich gehe ins Stadion, um zu observieren“
Philomene Magers (links) und Monika Sprüth führen gemeinsam die Galerie Sprüth Magers in Berlin, London und L.A.
Philomene Magers (links) und Monika Sprüth führen gemeinsam die Galerie Sprüth Magers in Berlin, London und L.A.Foto: Dagmar Schwelle

Für den Architekten Volkwin Marg haben Stadien die Anmut von Kathedralen, er spricht jedoch auch von „Hysterieschüsseln“. Empfinden Sie das auch so?

Architektur ist mir sonst sehr wichtig. Nur bezogen auf den Fußball? Weniger. Ich gehe ins Stadion, um die Mannschaften zu observieren und zu sehen, ob sie sich weiterentwickelt haben. Die Stimmung ist mir zweitrangig, die stört mich manchmal sogar.

Dann können Sie doch gleich daheim vorm Fernseher schauen!

Nein, nein! Beim Fernsehen wird der Blick durch die Kamera geleitet. Um das ganze Spiel in all seinen Facetten zu erfassen, muss man schon selbst entscheiden können, wo man hinguckt. Ich sitze immer auf halber Höhe, ungefähr Mittellinie – dort, wo man sein sollte, um das Spiel gut zu sehen. Doch jetzt hocken hinter mir Fans, die permanent reden und Kommentare abgeben, ich kann mich gar nicht mehr konzentrieren.

In Köln ist das Stadion immer voll.

Stimmt. Selbst wenn die noch so katastrophal spielen. Da geht es weniger um den Sport, das könnte auch irgendein anderes Event sein. Das Kölner Publikum ist anfällig für Karnevalsatmosphäre.

Hat die Begeisterung auch damit zu tun, dass die Kölner sich extrem mit ihrer Stadt identifizieren?

Kann sein. Ich bin ja keine echte Kölnerin, obwohl ich hier schon lange lebe.

Sie klingen so Kölsch.

Wirklich? Ich bin in Memmingen geboren, meine Eltern kamen aus Berlin und Schlesien. In der Schulzeit war ich in den USA und Frankreich, Abitur habe ich in der Pfalz gemacht. Für Köln als Standort der Galerie habe ich mich in den 80er Jahren bewusst entschieden, die Stadt war neben New York das wichtigste Kunstzentrum der Welt.

Sie blieben, als Ihre Galerie nach Berlin umzog.

Wir haben noch viele Künstler in der Region: Rosemarie Trockel, Walter Dahn, Andreas Schulze, Reinhard Mucha, Andreas Gursky. Auch jüngere Künstler, die bewusst dort bleiben wollen, wie Michail Pirgelis und David Ostrowski. Bei mir hat es einen anderen Grund: Es ist angenehmer, nicht in der Stadt zu leben, wo ich meine Galerie habe.

Frau Sprüth, ist Fußball auch eine Form von Kunst?

Ich bin öfter gefragt worden, ob ich nicht eine Ausstellung über Fußball machen will. Beim Nachdenken kam ich immer zu dem Schluss: Das geht gar nicht. Das wird weder meinem Anspruch an die Kunst noch an den Fußball gerecht. Das eigentliche Kunstwerk ist das Spiel: das Können eines Spielers, die Taktik, die man auf dem Spielfeld ablesen kann.

In der „FAZ“ haben Sie mal gesagt, aus Ihrer Sicht sei der Trainer ein Künstler.

Was mir imponiert, ist, wenn es einer mit einem vielleicht nicht optimal zusammengestellten Kader schafft, ein erfolgreiches Spielsystem zu kreieren. So wie Lucien Favre, als er in Mönchengladbach die Mannschaft von Frontzeck übernahm.

Gefallen Ihnen Trainer, die sich als Künstler inszenieren?

Nein. Jürgen Klopp zum Beispiel hat sich in den ersten Jahren medial zu sehr in den Vordergrund gestellt und mich deshalb nicht so interessiert. Was er in Mainz und Dortmund geschafft hat, dafür hat er natürlich meinen höchsten Respekt.

Sie als Galeristin, sind Sie Trainer für den Künstler?

Nein. Meine Rolle ist eher die des Beraters oder Managers. Der Galerist ist Dienstleister gegenüber dem Künstler.

2 Kommentare

Neuester Kommentar