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Ärzte im Operationssaal. Zunehmen arbeiten Mediziner aus dem Ausland in Deutschland.
© Olena Yakobchuk/iStock
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Approbationen für Ärzte aus Osteuropa und Nahost: Berlin erkennt mehr Mediziner aus dem Ausland an

Die Zahl der erteilten Approbationen für ausländische Ärzte steigt. Der FDP dauern die Verfahren zu lange: Hunderte Anträge warten auf Genehmigung.

In Berlin arbeiten zunehmend Ärzte aus dem Ausland – in den vier Jahren von 2018 bis 2021 wurden mehr als 1300 Approbationen an Ärzte mit ausländischer Ausbildung erteilt. Damit entfiel ein Drittel aller Approbationen auf Männer und Frauen mit Ausbildung im Ausland, auch wenn einige von ihnen inzwischen in anderen Bundesländern arbeiten.

Das geht aus einer Antwort von Gesundheitsstaatssekretär Thomas Götz (Grüne) auf Anfrage des FDP-Fraktionschefs Sebastian Czaja hervor, die dem Tagesspiegel vorab vorliegt. In Berlin ist das Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) für die Anerkennung ausländischer Abschlüsse zuständig.

Wurden dort zuletzt im Schnitt 325 Zulassungen pro Jahr erteilt, waren 2011 gerade 154 Ärzte aus dem Ausland anerkannt worden. Die meisten der Mediziner damals stammten aus Polen, Russland und Griechenland. Inzwischen, berichten Klinikleiter, seien es immer noch viele Osteuropäer, zudem aber auch Ärzte aus dem Nahen Osten.

Berlins Ärztekammer, der alle 34.000 zugelassenen Mediziner der Stadt angehören müssen, verzeichnet heute fast 2200 in Berlin tätige Kollegen und Kolleginnen mit einer ausländischen Staatsangehörigkeit.

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Obwohl die Zahl der Anerkennungen ausländischer Absolventen gestiegen ist, gab es gerade in der Pandemie deutliche Kritik an der Zulassungsstelle. Zu Beginn der Coronakrise im März 2020 warteten in Berlin mehr als 1000 ausländische Ärzte auf Anerkennung ihrer Berufsabschlüsse, einige davon schon Jahre. Derzeit werden im Lageso 805 Anträge auf Anerkennung bearbeitet.

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„Es herrscht akuter Personalmangel in der Medizin und Pflege“, sagte FDP-Fraktionschef Czaja. „Trotzdem hält der Senat gut ausgebildete Fachkräfte davon ab, hier zu arbeiten, weil Verfahren zur Anerkennung der im Ausland erlangten Qualifikationen zu bürokratisch sind und zu lange dauern. Hier besteht dringend Handlungsbedarf.“

Auch Hunderte Pflegekräfte aus dem Ausland wollen jedes Jahr in Berlin anerkannt werden. Das Lageso genehmigt ihnen bei Vorlage erforderlicher Zeugnisse, in Deutschland als examinierte Pflegekraft in Kliniken, Heimen und ambulanten Diensten zu arbeiten. Von 2018 bis 2021 wurden 1100 Genehmigungen erteilt. Zu Pandemiebeginn warteten 1180 Pflegekräfte auf Anerkennung ihrer Abschlüsse; derzeit werden 560 Anträge bearbeitet. Über die Personalnot auf den Stationen war in der Coronakrise umfangreich berichtet worden, in Berlin streikten die in Verdi organisierten Pflegekräften in den Vivantes-Krankenhäusern und der Charité für mehr Kollegen.

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