Klimaaktivistin : Greta Thunberg, 15: "Mein Appell an die Welt"

Mit ihrer Rede aktivierte sie viele andere junge Menschen. Hier gibt es die komplette Rede in der deutschen Übersetzung zum Nachlesen.

Niklas Liebetrau
Erwachsene, rettet uns! Greta Thunberg redet allen ins Gewissen.
Erwachsene, rettet uns! Greta Thunberg redet allen ins Gewissen.Foto: Imago/K. Grzegorz

Erstmals größere Aufmerksamkeit bekam die Schülerin Greta Thunberg aus Stockholm, als sie kurz vor den schwedischen Parlamentswahlen begann, jeden Freitag die Schule zu schwänzen, um dann vor dem Parlament für den Klimaschutz zu demonstrieren. Weltweite Bekanntheit erlangte sie nun durch ihre Rede beim UN-Klimagipfel in Kattowitz. Auch in Berlin und Brandenburg hat die Aktivistin jetzt viele junge und ältere Menschen inspiriert und aktiviert. Hier ist ihre komplette Rede an die Weltpolitik beim Klimagipfel 2018 in deutscher Übersetzung:

"Mein Name ist Greta Thunberg. Ich bin 15 Jahre alt und komme aus Schweden. Ich spreche im Auftrag von Climate Justice Now. Viele Menschen glauben, dass Schweden nur ein kleines Land ist und es nicht wichtig sei, was wir tun. Ich aber habe gelernt, dass man niemals zu klein ist, um einen großen Unterschied machen zu können. Wenn ein paar Kinder es schaffen, Schlagzeilen auf der ganzen Welt zu bekommen, indem sie einfach nicht zur Schule gehen, dann stellen Sie sich mal vor, was wir alles erreichen könnten, wenn wir es wirklich wollten. Aber um das zu tun, müssen wir Klartext reden, egal, wie unangenehm das auch ist.

Sie reden nur deswegen vom ewigen Wirtschaftswachstum, weil Sie Angst haben, unpopulär zu sein. Sie sprechen immer nur davon weiterzumachen, mit denselben schlechten Ideen, die uns in diese Misere gebracht haben. Dabei wäre es das einzig Sinnvolle, die Notbremse zu ziehen. Sie sind nicht erwachsen genug, um das so zu formulieren. Selbst diese Bürde überlassen Sie uns Kindern. Mir geht es nicht darum, bekannt zu sein. Mir geht es um Klimagerechtigkeit und um einen lebenswerten Planeten. Unsere Zivilisation wird für die Chancen einer kleinen Gruppe von Menschen geopfert, die immer mehr Geld verdienen wollen. Unsere Biosphäre wird geopfert, damit reiche Menschen in Ländern wie meinem in Luxus leben können. Es sind die Leiden der Vielen, die für den Luxus der Wenigen bezahlen.

2078 werde ich meinen 75. Geburtstag feiern. Wenn ich Kinder habe, werden sie vielleicht den Tag mit mir verbringen. Vielleicht werden sie mich nach Ihnen fragen. Vielleicht werden sie fragen, warum Sie nichts unternommen haben, obwohl noch Zeit dazu war. Sie sagen, dass Sie Ihre Kinder mehr als alles andere lieben, aber gleichzeitig stehlen Sie ihnen ihre Zukunft vor den Augen weg. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Sie beginnen, sich auf das zu konzentrieren, was getan werden muss und nicht was politisch möglich ist, wird es keine Hoffnung geben.

Wir können eine Krise nicht lösen, ohne sie als eine Krise zu behandeln. Wir müssen die fossilen Brennstoffe im Boden lassen. Wir müssen den Fokus auf Gerechtigkeit lenken. Wenn es unmöglich ist, Lösungen im bestehenden System zu finden, sollten wir das System an sich ändern. Wir sind nicht hierhergekommen, um vor Weltpolitikern darum zu betteln, dass sie sich kümmern. Sie haben uns in der Vergangenheit ignoriert und Sie werden uns wieder ignorieren. Uns gehen langsam die Ausreden aus, uns läuft die Zeit davon! Wir sind hierhergekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass ein Wandel kommen wird, egal, ob Sie es wollen oder nicht. Die wirkliche Macht gehört den Menschen. Vielen Dank.“

„Fridays for Future Berlin StandwithGreta!“ führt den Streikaufruf der Schwedin Greta Thunberg fort.
„Fridays for Future Berlin StandwithGreta!“ führt den Streikaufruf der Schwedin Greta Thunberg fort.Foto: RubyImages/F. Boillot

Videos der Rede haben mittlerweile mehr als 300.000 Klicks auf Youtube. Die Schwedin rief außerdem Schülerinnen und Schüler weltweit dazu auf, es ihr gleich zu tun und an Freitagen vor Rathäusern und Parlamentsgebäuden gegen den Klimawandel zu demonstrieren. Unter dem Hashtag #FridaysForFuture werden weitere Proteste organisiert.

Wozu die Schüler Aufrufen

Sie wollen aufrütteln. Denn das Unfassbare scheint seinen Lauf zu nehmen – die Menschheit schafft es offensichtlich im Getriebe des alltäglichen Stresses nicht, die weitergehende Erderwärmung endlich zu stoppen. „Wir müssen dafür sorgen, dass diese Erde bewohnbar bleibt. Und das ist die Verantwortung dieser Generation“, sagte Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) nach der Verabschiedung des Regelwerks auf dem von vielen als zu kurz greifend kritisierten Weltklimagipfel 2018 in Polen. Es werden weiter mehr statt weniger Treibhausgase ausgestoßen. So folgten etwa 300 Schülerinnen und Schüler aus Berlin und Brandenburg vergangenen Freitag dem Aufruf von „Fridays for Future“. Am 21.12. gibt es wieder den „#ClimateStrike“ am Bundestag von 10 bis 12 Uhr, um die Umsetzung des „#ParisAgreement“ einzufordern, schreibt die Twitter-Initiative „#FridaysforFuture“.

Was sich Jugendliche wünschen

Eine Zukunft auf dieser Erde, mit ihrer Artenvielfalt, ohne weiter fortschreitenden Meerespegelanstieg, zunehmende Wetterextreme und befürchtete Massenmigration in wenigen Jahrzehnten. Möglichkeiten, sich zu engagieren, gibt es viele, auch ohne die Schulpflicht zu verletzen.

www.schule-klima-wandel.de, www.facebook.com/Fridays-for-Future-Berlin

In Kattowitz in Polen hatten Anfang Dezember und bis vergangene Woche fast 200 Staaten auf dem Klimagipfel über ein Regelwerk zur Umsetzung des Pariser Klimaabkommens verhandelt. Kernziel ist es, die Erderwärmung auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Die Einigungen wurden von Umweltverbänden als nicht genügend kritisiert; der Ausstoß von Treibhausgasen nehme statt ab weiter zu.

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