Tagesspiegel-Leser helfen Menschen in Not : Geschichten vom Glück

Der Tagesspiegel und seine Newsletter berichteten über mehrere Menschen in Not. Dann übernahmen die Leser.

Viele haben geholfen. Rollstuhlfahrer Detlev Pflughaupt aus Lichtenberg ist einer der vielen Berliner, die unter Altersarmut leiden. Tagesspiegel-Leser spendeten für ihn. Auch die Sozialarbeiterinnen Kathleen Schlifka (l.) und Martyna Voß freuen sich.
Viele haben geholfen. Rollstuhlfahrer Detlev Pflughaupt aus Lichtenberg ist einer der vielen Berliner, die unter Altersarmut...Foto: Kitty Kleist-Heinrich

Menschen helfen, so heißt diese Donnerstagsseite zu gesellschaftlichem Engagement nicht von ungefähr – benannt nach „Menschen helfen!“, der traditionellen Spendenaktion des Tagesspiegels. Den mehrdeutigen Leitspruch nehmen viele Leserinnen und Leser nach Artikeln beim Wort, darüber freuen wir uns seit Jahrzehnten und haben für das Engagement schon Medienpreise bekommen. Dabei geht es doch darum, etwas zu bewegen. Auch nach anderen Artikeln und auch in der digitalen Welt, etwa beim vielfach ausgezeichneten Checkpoint- und den Leute-Bezirks-Newslettern, machen sich Autoren stark für Nachbarn in Not. Die Resonanz folgt prompt. Hier eine Auswahl des Zupackens der vergangenen Wochen – verbunden mit einem Dankeschön an alle Spenderinnen und Spender.

Kaffeemaschine und mehr für Frau Janke

Am 30. Dezember 2019 war der Artikel über die 68-jährige Hannelore Janke im Berlin-Brandenburg-Teil des Tagesspiegels erschienen. Es ging um Altersarmut. Hannelore Janke hat 300 Euro im Monat zum Leben, weil sie 650 Euro für ihre Wohnung bezahlen muss. Seit dem Tod ihres Mannes ist die zwar zu groß für sie, aber sie findet keine kleinere Bleibe. Zum Amt wollte sie nicht mehr für Hilfe. Sogar der Wert ihres Eheringes war da früher mal abgefragt worden, das fand Hannelore Janke schlimm. Die frühere Altenpflegerin, gesundheitlich wegen Diabetes, Herz- und Kreislaufproblemen stark angeschlagen, erzählte, dass ihre letzte größere Anschaffung vor Jahren ein Kühlschrank war. Dafür musste sie aber den Siegelring ihres verstorbenen Mannes in Zahlung geben. Ihre Kaffeemaschine ging kurz vor Weihnachten kaputt, Geld für eine neue hatte sie nicht.

Nach dem Artikel haben sich mehrere Leser gemeldet, die Frau Janke unterstützen wollten. Die erste war eine Frau, die ihr eine fast neue Kaffeemaschine, die sie nie benutzt hat, schenkte. Diese Kaffeemaschine, die beim Tagesspiegel abgegeben wurde, hat der Autor dieser Zeilen Hannelore Janke übergeben, sie freute sich sehr. Eine andere Leserin spendete parallel Geld für eine neue Kaffeemaschine. Hannelore Janke kann dieses Spendengeld nun für etwas anderes verwenden. Janke sagte auch, dass sie sich einmal im Monat einen Kinobesuch leiste und von einem Wellnessurlaub an der Ostsee träume. Eine Leserin schenkte der 68-Jährigen ein Jahres-Abo für ein Kino, eine weitere finanziert ihr Massagen. Hannelore Janke war „überwältigt“: „Ich freue mich wahnsinnig, damit hätte ich nie gerechnet,“ sagte sie. „Ich bedanke mich bei allen. Jetzt kann ich ins Kino gehen, wann ich will. Ich schaue doch so gerne historische Filme.“

Zwei Übernachtungen für die obdachlose Elfy

Dann ist da Elfy. 39 Jahre alt, gelernte Köchin, obdachlos. Unser Autor Sebastian Höhn hatte sie im Café eines Lichtenberger Supermarkts getroffen und ihre Geschichte erzählt. Die zuletzt im betreuten Wohnen aufgefangene Frau ist schwer krebskrank, sie möchte es gern schaffen, von der Straße wegzukommen. Den Artikel hat auch eine Leserin in der Schweiz gesehen, in Zürich. Und sie schrieb sofort eine Mail an die Redaktion: Die Frau wollte helfen – aber anonym bleiben. Das wollen viele Leser, die sich engagieren. Die Frau hat Elfy angeboten, ihr über Weihnachten zwei Übernachtungen in einer Pension in Lichtenberg zu bezahlen. Der Autor vermittelte. Die Mails, die danach zwischen der Schweizerin und Elfy hin und her gingen, haben nicht nur den Autor gerührt.

Bettwäsche von den Eisbären für den Eishockeyfan im Rollstuhl

Schon vor Weihnachten, im November, berichteten wir in einem Artikel über Detlef Pflughaupt aus Lichtenberg. Der 62-jährige Rollstuhlfahrer hat ebenfalls Krebs, Blasenkrebs, und ist von Altersarmut betroffen. Er stritt sich mit dem Sozialamt um 270 Euro. Das Amt verlangte das Geld zurück, nachdem Pflughaupt ein Wochenende in Aachen verbracht und einen dortigen Pflegedienst beansprucht hatte. Doch er hatte sich nicht beim Amt abgemeldet und sollte daher eine Kostenbeteiligung für die Urlaubsreise zahlen. Pflughaupt hatte jedoch keine 270 Euro, er kommt immer gerade so durch den Monat. Nach dem Artikel meldeten sich viele Leserinnen und Leser beim Tagesspiegel, die ihm helfen wollten.

Die Sozialarbeiterinnen Kathleen Schlifka und Martyna Voß von „Soziale Gesundheit e.V.“, die sich um Pflughaupt kümmern, berichten, dass eine Frau 300 Euro überwies, die ihm in bar ausgehändigt wurden, damit er damit seine Schulden beim Sozialamt begleichen konnte. Außerdem schenkte ihm die Leserin eine Strickjacke. Auch habe sich der SPD-Abgeordnete Sven Kohlmeier bei den Sozialarbeiterinnen gemeldet. Denn Pflughaupt ist SPD-Mitglied und war nach der Wende als Büromitarbeiter des damaligen Bundestagsabgeordneten Thomas Krüger (SPD) tätig, von 1991 bis 1994 Senator für Familie und Jugend. Lichtenbergs SPD-Stadträtin Birgit Monteiro will sich mit Pflughaupt treffen und über seine Situation sprechen.

Kleine Geste, große Freude. Tagesspiegel-Redakteur Frank Bachner übergibt die Spende an Hannelore Janke.
Kleine Geste, große Freude. Tagesspiegel-Redakteur Frank Bachner übergibt die Spende an Hannelore Janke.Foto: Stefan Weger

Pflughaupt bekam auch noch Bettwäsche von der Eishockeymannschaft Eisbären Berlin zugeschickt. Eine große Freude – denn er ist großer Fan und verpasst kaum ein Spiel: Als Rollstuhlfahrer erhält er Karten für zehn Euro. Allerdings erhielt er auch böse Anrufe. „Wenn Sie arm sind, was bin ich dann?“, habe jemand gefragt, berichtet Voß. Aber er habe sich davon nicht kränken lassen – auch, da es zahlreiche nette Anrufe gab. Wie es weitergeht, steht dann im Lichtenberg-Newsletter.

[In unseren Leute-Newslettern berichten wir wöchentlich aus den zwölf Berliner Bezirken. Die Newsletter können Sie hier kostenlos bestellen: leute.tagesspiegel.de]

Und noch ein kleines Wunder

Erinnern Sie sich noch an das kleine Weihnachtswunder, über das wir im Dezember berichtet hatten? Anja Kleppek aus Mahlsdorf hatte Spenden für eine ältere Nachbarin gesammelt, die von Waschmaschinenverkäufern betrogen worden war, stand im Leute-Newsletter für Marzahn-Hellersdorf. Die Verkäufer hatten der bedürftigen Frau ein defektes Gebrauchtgerät geliefert und waren danach spurlos verschwunden. Binnen vier Stunden hatte Kleppek über das Internet-Netzwerk nebenan.de knapp 300 Euro zusammen, um der älteren Dame eine neue Maschine zu kaufen. Auf unseren Bericht hin kam die gleiche Summe noch mal zusammen. Die Frau konnte so auch 100 Euro zurückzahlen, die sie sich bei einer anderen Nachbarin für das Gebrauchtgerät geborgt hatte.

Und eine Bescherung für Obdachlose am Lichtenberger Bahnhof war auch noch drin. Mit den verbliebenen 188 Euro schaute Kleppek dort einen Tag vor Heiligabend an der „Platte“ vorbei. „Gekauft habe ich mit ihnen zusammen: zwei Paar richtig warme Winterstiefel in Größe 47 und 44 für zwei Männer, zwölf Paar Wollsocken für sechs Männer, Unterwäsche und Thermoleggings für die beiden Frauen und für alle Hygieneartikel im Wert von 40 Euro sowie 15 Liter Trinkwasser“, sagte Anja Kleppek. Die fehlenden zwölf Euro packte sie selbst drauf. Und dankte noch mal allen.

Tagesspiegel-Leser helfen noch viel mehr - und können weiter spenden

Seit fast drei Jahrzehnten helfen Tagesspiegel-Leserinnen und -Leser jährlich immer tatkräftig, sobald unsere traditionelle Weihnachtsspendenaktion „Menschen helfen!“ läuft. Sie bringen Kinderwagen, Bücher oder Geld bei den Initiativen vorbei und vermachen ihnen oder dem Tagesspiegel-Spendenverein sogar ihr Erbe. Aktion 2019/2020 bis Ende Feburar, Spendenkonto: Empfänger: Spendenaktion Der Tagesspiegel e.V., Verwendungszweck: „Menschen helfen!“, Berliner Sparkasse, IBAN: DE43 1005 0000 0250 0309 42; tagesspiegel.de/spendenaktion. Auch freuen wir uns seit bald zehn Jahren darüber, wie engagiert Sie sind – und informieren in unserer Rubrik „Menschen helfen hilft“ über Artikel und die Welle der Hilfsbereitschaft danach.

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