Tipps aus den Bezirken : Fête de la Musique – umsonst und draußen in Berlin

Die Fête de la Musique steigt an diesem Donnerstag an mehr als 120 Orten. Wohin soll man nur gehen? Unsere Empfehlungen aus den Bezirken.

Cay Dobberke Corinna Bodisco
Zwischen 16 und 22 Uhr kann am 21. Juni jeder Musik auf der Straße machen.
Zwischen 16 und 22 Uhr kann am 21. Juni jeder Musik auf der Straße machen.Foto: Kai Bienert

An diesem Donnerstag findet wieder die Fête de la Musique statt. Schwerpunkt ist diesmal Lichtenberg, aber auch die anderen elf Berliner Bezirke haben einiges zu bieten. Unsere Autoren der zwölf Leute-Newsletter haben deshalb für jeden Bezirk ihre ganz persönliche Empfehlung aufgeschrieben. Los geht's mit:

Steglitz-Zehlendorf

„Viele Bands haben schöne Namen, aber ihre Musik ist eher bescheiden“, sagt Stephan Fuchs von der Band Hasenscheisse. „Bei uns ist das eher andersherum“.

Seit die beiden Bandgründer Christian Näthe und Matthias Mengert vor einem ihrer ersten Auftritte auf einer Wiese die letzten Gitarrengriffe übten und dabei in Hasenkötteln saßen, klebt der Name förmlich an ihnen. 20 Jahre ist das nun schon her.

Der Musik der jetzt fünfköpfigen Hasentruppe schadet das nicht – im Gegenteil. Frech, bissig, systemkritisch und schwer in Genre-Schubladen zu stecken, machen ihre Songs, dass man mitwippt und ins Nachdenken kommt. Sie selbst bezeichnen ihre Stilrichtung als „Liedermaching“. Besser würde aber Chanson-Rock-Pop-Ska-Polka-Comedy-Walzer-Bossa- Folk passen.

Der Fête-Auftritt am Donnerstag um 16 Uhr in der Schwartzschen Villa, Grunewaldstraße 55, sei übrigens ein „Novum in der Bandgeschichte“: Es ist der erste Auftritt von Hasenscheisse im Bezirk.

Neukölln

Früher legte er selbst als DJ auf, heute lässt Felix von Ploetz anderen Künstlern den Vortritt. Er ist Sozialpädagoge und Gemeindemanager der Martin-Luther-Kirchengemeinde in der Fuldastraße 50. Dieses Jahr lädt er Künstler aus Brasilien, Mexiko, Köln und Berlin in den Kirchsaal.

Von Ploetz initiierte den Fête-Standort Fuldastraße vor zwei Jahren vor allem aus Spaß. Er freut sich darüber, wenn die Fête jungen Menschen zeigt, dass Kirche auch weltoffen und jung sein kann – und wenn sich diese anschließend in der Gemeinschaft engagieren.

Das Engagement könne man dringend gebrauchen, denn die Fête wäre ohne Freiwillige nicht realisierbar. „Das ist schwieriger als man denkt“, sagt von Ploetz. Hier gelingt es gut: Die Fête, die Musik und der Spaß, den man hat, sind Teil des Profils der Martin-Luther-Kirche.

Mitte

Berlin hat einen Funk-, einen Fernseh- und einen Eiffelturm. Letzterer steht in Wedding, und zwar im ehemaligen Kulturzentrum der französischen Alliierten in der Müllerstraße 74, heute bekannt als Centre Français de Berlin.

Das Team um Geschäftsführer Florian Fangmann feiert die Fête seit gut zehn Jahren, und auch in diesem Jahr treten hier, auf der Open-Air-Bühne unter dem Eiffelturm, sieben Künstler beziehungsweise Bands auf. Das Programm reicht von französischem Pop (Denis Rivet, 16 Uhr), elektronischen Chansons (Billie, 16.30 Uhr) bis hin zu Afrobeats (Papa Africa, 17.15 Uhr) und Reggae (Beatsafari, 21 Uhr).

Als Leiter eines europäischen Kulturzentrums ist es für Fangmann eine Selbstverständlichkeit, dieses Festival zu feiern: „Wir möchten als Ort des europäischen Kulturerbes eine Fête mit Bands aus ganz Europa organisieren.“

Aber für manche ist Kultur derzeit Nebensache – zeitgleich mit der Fête misst sich die französische Nationalmannschaft um 17 Uhr mit den Peruanern. Keine Sorge: Das Spiel der Bleus wird drinnen übertragen, im City Kino Wedding.

Marzahn-Hellersdorf

Tapper Glue – klingt nach Südstaaten-Original, ist aber ein berlinernder Köpenicker. „Det jeht richtig zur Sache“, verspricht er, als er über die Fête de la Musique in Marzahn-Hellersdorf redet.

Tapper Glue, 49 Jahre alt, war früher immer bei Oma und Opa in Biesdorf zu Besuch, nun kehrt er zurück, um bei der Fête um 18 Uhr auf dem Balzerplatz aufzutreten. Lieder schreibt er erst seit einigen Jahren. „Jetzt muss det raus, die ganzen Sachen“, sagt er.

Tapper Glue & The Glues machen Singer-Songwriter-Folk-Funk-Reggae-Latin-Bluegrass-Country. Und das fasst ziemlich gut zusammen, was die Fête auch im Osten der Stadt ausmacht: musikalische Vielfalt. Neben Tapper Glue gibt es im Bezirk Metal, Punkrock, Grunge und Sambatrommler zu hören.

Der Jugendklub „Die Klinke“ in der Marzahner Bruno-Baum-Straße 56 setzt einen Akzent auf Singer-Songwriter und Rock. Von sommerlich leicht bis hart zum Abtanzen reicht das Spektrum im Jugendzentrum „Betonia“ in der Wittenberger Straße 78 – mit zwei Nachwuchshelden: Die DJs Zwaar und Paule legen Elektro auf.

Reinickendorf

Das Landhaus Schupke hat einen wunderschönen Garten und eine schnuckelige Bühne. Ganz zentral, nicht weit vom U-Bahnhof Rathaus Reinickendorf gelegen, hält der Bus 120 direkt vor Hausnummer 66 der Straße Alt-Wittenau. Am Donnerstag ab 16 Uhr ist die Bühne für alle da, die spontan mitsingen, mitspielen und die Musik genießen wollen.

Auch die Abgeordnete Bettina König (SPD) begeistert sich für die Fête: In ihrem Bürgerbüro in der Amendestraße 104 tritt ab 18 Uhr „Daniel spielt Gitarre“ auf.

Und das Jazz-Trio Berlins Finest spielt in der Besetzung Sängerin, E-Piano und Kontrabass zwischen 18 und 21 Uhr zu Erdbeerbowle, Grillbuffet und hoffentlich viel Sonne auf der Außenterrasse des Café Aline, Alt-Reinickendorf 29.

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