Sie werden nicht lotrecht aus dem Pflaster ragen, jede von ihnen soll sich ein wenig neigen. Die 2700 Stelen des Berliner Holocaust-Mahnmals werden minimal gekippt, jede anders, keine wird parallel neben ihrem Nachbarn stehen.
Alle Artikel in „Kultur“ vom 18.05.2001
Nach der hedonistischen Pop-Explosion von 1982 begann in England der große Katzenjammer. Mit Thatcherism kam auch die Zeit der Weltschmerzler und Grübler.
Mit dem Theater die Welt verändern, die Zuschauer formen und veredeln - das war ein Traum nicht nur sozialistischer Bewegungen. Von der gegebenen gesellschaftlichen Realität ist diese Wunschvorstellung, seit auf der Bühne gespielt wird, immer wieder zerrieben, aber nie ganz vergessen worden.
Berlin 1978: Ein junger Kunststudent aus Hamburg beschäftigt sich mit "Schrift im Stadtraum", dem Thema seiner Semesterarbeit. Er findet dazu in Berlin-West die Spuren einer Vergangenheit, die melancholisch in die Gegenwart hinüberragt und von der Verlangsamung in der Entwicklung der Stadt erzählt.
Die Wirtschaft: Der Sprecher der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft, Wolfgang Gibowski, sagte, die Revision des Urteils reiche "definitiv und leider" nicht aus, um Rechtssicherheit festzustellen. Er verwies auf ausstehende Fälle.
Immer diese Hamburger! Während Zweifel erlaubt sind, ob die Hanseaten heute fußballend die x-te Meisterschaft der Bayern noch verhindern werden, kann ihnen in Sachen Pop derzeit wohl niemand das Wasser reichen.
Gerhard Schröder ist noch ein bisschen vorsichtig: "Auf dieser Basis lässt sich in enger Kooperation mit der Wirtschaft erreichen, dass der Bundestag noch vor der Sommerpause Rechtssicherheit feststellen kann", formulierte der Bundeskanzler am Freitagmittag. Wenn schon so oft im falschen Moment von einem Durchbruch die Rede gewesen ist wie im Streit um die Zwangsarbeiter-Entschädigung, dann traut sich eben im richtigen Moment niemand mehr, das Wort zu benutzen.
Während sich nun bei den Rechtsanwälten, die monatelang über Rechtssicherheit stritten, die Gemüter abkühlen dürften, beginnt für die Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" die heiße Phase. Sie soll das Geld zu den meist 70 bis 90 Jahre alten Opfern bringen, sobald der Bundestag die Auszahlung freigegeben hat.
Früher war zwar nicht alles besser, aber manches einfacher. Fußball zum Beispiel.
Manchmal kann man es hören, dass Musik eine alterierte Form des Lärms ist. Bei Strawinsky und bei Schostakowitsch zum Beispiel.
Bevor morgen - mit dem Büchermarkt am Kollwitzplatz (ab 11 Uhr) und der Präsentation der Anthologie "Frische Goldjungs" (Georg Büchner Buchladen, 15 Uhr) - die Prenzlauer-Berg-Literaturwoche zuende geht, gibt es heute Gedichte en bloc. Die Lyriknacht versammelt Debütanten und alte Bekannte, um zu belegen, dass die angeblich obsolete Gedichtform frühlingsfrisch mitten im Berliner Leben blüht.
Im Entschädigungsgesetz heißt es: "Die Bereitstellung der Stiftungsmittel setzt die Herstellung ausreichender Rechtssicherheit voraus". Aber was ist Rechtssicherheit, wann ist sie ausreichend?
Nach dem Urteil eines US-Berufungsgerichts zur Zwangsarbeiter-Entschädigung wächst die Zuversicht, dass die Opfer noch im Sommer mit ersten Zahlungen rechnen können. Vertreter von Politik und deutscher Wirtschaft begrüßten das Urteil der Berufungsrichter, die Bedingungen zur Abweisung einer Sammelklage gegen deutsche Firmen in den USA zu ändern.
Selten sind musikalische Anspielungen bei plastischen Arbeiten so augenfällig wie in den Reliefs von Gisela von Bruchhausen: Das Zusammenspiel der geometrischen Teile, aus denen die direkt auf der Wand hängenden Arbeiten bestehen, weist unterschiedliche Bewegtheit und Rhythmik, Stimmung und Intensität auf. Aus dem Verschieben, Verdrehen und Verbinden der einzelnen scharf konturierten Elemente ergeben sich vielfältigste Kompositionen.
An dieser Stelle erwarten Sie zu Recht einen plaudernden, halbernsten Ton. Der jedoch ist heute nicht möglich.
Udo Samel, der musikalische Kopf unter den Schauspielern, schickt Franz Schuberts großem C-Dur-Quintett ein ahnungsvolles Gedicht des Komponisten voraus: "Mein Gebet" (1823) spricht in romantischer Depression von Sehnsucht nach Erlösung, Liebestraum und Martergang. Und dann erklingt das unvergleichliche, posthum erschienene Werk: An den Celli David Geringas, Professor an der Musikhochschule "Hanns Eisler", und seine Schülerin Monika Leskovar.
Viele werten das Urteil des Berufungsgerichts in den USA als einen entscheidenden Durchbruch auf dem Weg zur Entschädigung der NS-Zwangsarbeiter. Wie sehen Sie das?
ürzlich habe ich mal meine Freundinnen durchgerechnet und festgestellt: Mehr als die Hälfte ist kinderlos. Bei der einen oder anderen wird vielleicht ein Sprössling nachkommen, wenn doch noch ein williger Partner auftauchen oder die künstliche Befruchtung anschlagen sollte, aber im Großen und Ganzen wird das so bleiben.
Die bisher lose Vereinigung von Auktionshäusern International Auctioneers (IA) hat sich nach der Gründung einer Aktiengesellschaft Schweizerischen Rechts auf zehn Mitglieder vergrößert: Mit dem französischen Auktionshaus Francis Briest für Moderne und zeitgenössische Kunst und dem in Madrid ansässigen, auf Kunstgewerbe spezialisierten, Haus Finarte España kamen zwei neue Mitglieder hinzu. Die Gruppe hat damit seine Mitgliedszahl gegenüber dem Gründungsjahr 1993 verdoppelt.
"Eigenes Konto" - unter diesem Titel beklagt Kabarettist Matthias Beltz (Luftschloss, 20 Uhr) die allgemein miese Zahlungsmoral. Und findet seinen ganz eigenen Ausweg: Zwecks Doppelverdienst begibt sich der geläuterte Häuserkampf-Sponti nachmittags in die Volksbühne, um das Publikum mit einem Vortrag zum Thema "Das Recht auf Faulheit" fortzubilden.