Erschöpfend klärt das Theater Fuga über die Widrigkeiten auf, die über einen zur Seriosität bekehrten Hanswurst hereinbrechen: Der besagte Herr Wetter, ein invalid geschossener junger Mann, beschließt aus gutem Grund, fortan ein solides Leben zu führen. Bei der Beantragung seiner Versehrtenrente muss er jedoch feststellen, dass er als Mensch überhaupt nicht existiert: Die Kartei führt ihn eindeutig als Hund.
Alle Artikel in „Kultur“ vom 18.04.2001
"Mit ungetrübten Blick die Wahrheit sehen", ruft der junge Krieger Ashitaka sein Reiseziel über den Fluss. Vor ihm rast das Wasser durch das Kiesbett, um ihn herum schweigt der japanische Wald und vom Ufer gegenüber wirft ihm ein Mädchen im weißen Wolfspelz einen bösen Blick zu.
"Glei kimmt er, Mama!", heißt es auf dem Münchner Marienplatz, wenn der Sensemann sich zum Glockenspiel des Rathauses dreht.
Wenn Sammy (Laura Linney) das Grab ihrer Eltern besucht, bringt sie Blumen mit, kniet sich hin und faltet die Hände wie ein artiges Mädchen vorm Schlafengehen. Ihr Bruder Terry (Mark Ruffalo), wenn er mal auftaucht aus Florida oder Alaska oder wo er sich sonst herumtreibt, haut sich auf dem Friedhof ins Gras, lehnt sich an den Grabstein und raucht eine Selbstgedrehte.
In diesem Jahr jährt sich der Bau der Mauer zwischen Ost und West zum 40. Mal.
Die Vereinigung von SPD und KPD zur SED, für die sich die PDS jetzt entschuldigt, ist ein historisches Datum - und zugleich mehr als das. Mit ihr verband sich für die SPD über die gesamte Nachkriegszeit hinweg nicht nur das traumatische Ereignis ihrer Geschichte seit Kriegsende.
Bevor Jello Biafra zum Totengräber abgehalfterter Genres wie Country wurde und sich in letzter Konsequenz als reiner Spoken-Word-Performer etablierte, war er der Kopf der wichtigsten Polit-Punkband Amerikas, der Dead Kennedys. Längst zum legendären Übervater der Hardcore-Szene geworden, zollen ihm heute die Jüngeren Tribut: Vom ungefilterten Rabauken-Punk bei Slamtilt über angespeedete Coverversionen der Berliner Spaßvögel von den Bad Brians bis zum seltsam mutierten Big Band-Sound der Dem Brooklyn Bums reicht das Spektrum eines bunten Abends in Kreuzbergs traditioneller Punk-Spielstätte.
"Michael Ende, du hast mein Leben zerstört", sangen einst Tocotronic. Auch eine Huldigung: Endes traumhafte und bilderreiche Erzählungen von "Jim Knopf" oder "Momo" verhalfen einer ganzen Generation zur kulturkritischen Haltung und dann deren Kritik.
Zwanzig Jahre ist sie nun alt, die Berliner Kammeroper und damit in ein kritisches Alter eingetreten. Jugendliche Heldentaten verblassen, auch wenn Brynmor Jones, der künstlerische Leiter und Dirigent, stolz betont, man habe Cavalli noch vor René Jacobs in Berlin gespielt.
Bald beginnt wieder die Zeit, in der man im Auto sitzen und bei runtergekurbeltem Fenster coole Musik hören kann. Grund genug, sich noch einmal Jim Jarmuschs groovenden Gangsterfilm anzuschauen: Ghost Dog - Der Weg des Samurai.
So ruhig und beiläufig, so scheinbar konventionell begann am Lehniner Platz lange kein Theaterabend. Tina Engel, eine Göttin der alten Schaubühne, die für diese Inszenierung an das Haus zurückgekehrt ist, räkelt sich genüsslich in einem Korbsessel.
Stolz und tapfer behauptet sich das französische Kino gegen den Angriff der Multiplex-Kultur aus Hollywood. Aber selbst die interessantesten französischen Filmemacher vergreifen sich zuweilen am verschmähten Popcorn-Kino.
Kultur: City Lights: "Was geschah wirklich mit Baby Jane?" - "Dreizehn Stühle" - "Blutige Erdbeeren"
Im September 1962 gab Bette Davis, verärgert über das schwache Rollenangebot für Frauen ihres Alters (54), eine Anzeige auf: "Mutter von drei Kindern, geschieden, dreißig Jahre Erfahrung als Filmschauspielerin, sucht regelmäßige Beschäftigung in Hollywood". Kurz nach dieser höchst unkonventionellen Aktion hatte Robert Aldrichs Horrorfilm Was geschah wirklich mit Baby Jane?
Louis-Ferdinand Céline war Antisemit, Kollaborateur und ein paranoider Menschenfeind, der niemanden mit seinen Hasstiraden verschonte. Auch seine Leser ließ er nicht im Zweifel, dass er sie verachtete.