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Mauerfund in Schönholz : Stiftung bestätigt Echtheit: Es ist die Berliner Mauer

Das Landesdenkmalamt senkte den Daumen, doch die Berliner Mauer-Stiftung revidiert das Urteil. Das Mauerstück am Bahnhof Schönholz sei in den 60er Jahren tatsächlich Teil der DDR-Sperranlagen gewesen.

Heimatforscher Christian Bormann vor dem etwa 80 Meter langem Mauerstück.
Heimatforscher Christian Bormann vor dem etwa 80 Meter langem Mauerstück.Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Kulturgut von Weltrang oder wertloser Steinhaufen? Die Mauer vor Schönholz beschäftigt weltweit Laien und Experten. Ist es wirklich die Berliner Mauer oder nur eine Berliner Mauer? Nachdem das Landesdenkmalamt in seiner Erstexpertise den Daumen gesenkt hatte, revidierte die Berliner Mauer-Stiftung das Urteil. Richtig sei, dass es sich um einen echten Teil der ehemaligen DDR-Grenzanlagen sowie um einen Teil der "Berliner Mauer in ihrer frühen Form" handele, so die Sprecherin der Berliner Mauer-Stiftung, Gesine Beutin, zur dpa. "Das ist echt und nicht fraglich. Dass der Fund aber das älteste Stück Mauer ist - das kann man nicht sagen."

Offenbar sei eine bereits bestehende Mauer Anfang bis Mitte der 60er Jahre verwendet worden. Höchstwahrscheinlich sei der bereits vorhandene Ziegelstein-Streifen hochgemauert und dann mit einer Krone aus Metall-Sperrelementen versehen worden. Einen abschließenden Befund gibt es laut Stiftung noch nicht. Man sei in enger Abstimmung mit dem Landesdenkmalamt. Das LDA hatte nach erster Begutachtung geurteilt, „nach derzeitigem Kenntnisstand“ sei der Abschnitt „nicht ein Bestandteil des Grenzbereiches ,Antifaschistischer Schutzwall‘ oder der ,Berliner Mauer‘“ gewesen. Sondern nur eine „grenznahe Mauer“, vermutlich als Begrenzung für Gewerbe und Bahnanlagen im Westteil.

Einig sind sich die Experten immerhin in einem Punkt: Die Mauer (ob von der DDR errichtet oder nicht) steht heute zweifelsfrei auf West-Berliner Gebiet. Das Bezirksamt Pankow bestätigte anhand alter Flurkarten, dass sie zwar einst direkt die Bezirksgrenze zu Reinickendorf markierte und folgte damit der Argumentation des Pankower Heimatforschers und Mauer-Entdeckers Christian Bormann. Aber: „Im Rahmen des Gebietsaustausches im Jahre 1988 wurde diese Fläche an West-Berlin übergeben und gehört heute somit zum Bezirk Reinickendorf.“ Bei der Dokumentation der Teilungsgrenze nach dem Mauerfall sei es hier zu Ungenauigkeiten gekommen, so Mauer-Expertin Beutin.

Spannende Frage: Bleibt das Fundstück nun im Westen oder wird es per modernem Gebietsaustausch in den Osten rücküberführt? „Bezirksgrenzänderungen können auf der Grundlage des Bezirksverwaltungsgesetzes durchgeführt werden, wenn dies politisch gewollt ist“, teilt das Bezirksamt Pankow mit. Bahnt sich da ein neuer Grenzstreit an - oder wird die Mauer brüderlich geteilt?

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